Liebe Leserin, lieber Leser,
in diesem Newsletter blicken wir zurück auf unsere Veranstaltungen im März und April. Der aktuelle Schwerpunkt befasst mit unserer Kleidung. Zudem möchten wir unser nächstes Zukunftsforum ankündigen, das sich mit Mobilitätsalternativen befassen wird.

Zukunftsforum: Muss es immer ein Auto sein?
Wir benötigen Mobilität zur Bewältigung unseres Alltags. Vor einigen Jahren fiel die Wahl mangels Alternativen in Kürten meistens auf das Auto. Busse spielten eine untergeordnete Rolle. Verbesserungen im Nahverkehr haben die Attraktivität der Busse gesteigert. Dennoch sind viele Strecken innerhalb und zwischen unseren Ortsteilen nicht oder nur umständlich mit dem ÖPNV bewältigbar. Viele Mitbürger*innen setzen daher weiterhin auf das Auto. Die einzige Möglichkeit? Es gibt Alternativen, die zudem elektrisch, umweltfreundlicher und preisgünstig im Betrieb sind. Die Mobilitätswelt ist vielfältiger geworden.
Patrick Walraf von der IG Klima Kürten lädt sie ein zu einer Reise durch die Welt der elektrischen Kleinst- und Kleinfahrzeuge. Anschließend können wir gerne ins Gespräch kommen über Ihre/Eure Erfahrungen, Tipps und Probleme rund um das Thema Mobilität.

Benefizkonzert – ein Rückblick
Am Sonntag, den 6. April fand, wie schon in den Jahren zuvor, ein Benefizkonzert des Komponisten, Pianisten und Aktivisten Roland Vossebrecker statt. Das Konzert wurde durch die Kooperation der Gemeinde Kürten und der IG Klima Kürten realisiert.
Roland Vossebrecker füllte den frühen Abend mit faszinierenden Interpretationen von Werken des Barock-Komponisten Johann Sebastian und mit der Darbietung eigener Werke, die uns Zuhörern intensive und berührende Klangräume eröffneten. Zwischen den Stücken sprach Roland über Klimagerechtigkeit. Nach dem Konzert war Raum für Gespräche von Zuhörern und Künstlern.
Der Erlös wurde komplett an die Welthungerhilfe und OXFAM gespendet. Wer das Konzert verpasst hat, kann das Spendenaufkommen unter folgendem Link erhöhen:

Rückblick – Zukunftsforum “Slow & fair Fashion
Unsere erste Veranstaltung des Formats “Zukunftsforum” fand am 27.04.2025 im Clubraum des Bürgerhauses statt. Rachel Becker von der IG Klima Kürten gestaltelte ein Referat über ein Thema, welches uns sehr nahe ist. Es ging um unsere Kleidung, gewissermaßen unsere zweite Haut. Anschließend fand ein sehr lebendiger Ideen- und Erfahrungsaustausch zwischen den Zuhörer*innen und der Referentin statt.
Wieviel Kleidung verbrauchen wir und welche Auswirkungen hat dies?
Die Modeindustrie ist für 8-10 % der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, es fand eine Verdoppelung der weltweiten Produktion zwischen 2000 und 2015. Im Schnitt kauften EU-Bürger im Jahr 2022 ca. 19 kg Textilien, davon 8 kg Kleidungsstücke und 4 kg Schuhe. Der weltweite Durchschnitt liegt bei ca. 8 kg/Jahr pro Person, dies entspricht ca. 15 Kleidungsstücken (Quellen: WRAP, Umweltbundesamt, The Australia Institute).
Wie sieht es mit der Entsorgung aus?
2023 wurden ca. 175.000 Tonnen Textilabfälle von privaten Haushalten eingesammelt, das entspricht ca. 2 kg/Person (Abfallstatistik). Die Sammlung über Entsorgungsunternehmen, Second Hand-Markt und private Altkleidersammlung wird nur teilweise erfasst. In den Export gingen 2022 Export von ca. 462.00 Tonnen Altkleidern/gebrauchte Textilwaren, das entspricht 5,5 kg/Person laut Außenhandelsstatistik. Unklar ist, was mit der Kleidung in den Zielländern passiert.
Fair und Slow Fashion versus Fast Fashion
Muss es das Party Top sein, dass wir im statistischen Durchschnitt 1,5 Male tragen oder das minderwertige T-Shirt, das nach 2 bis 3 Monaten den Geist aufgibt? Was müssen wir bei unserer Kleidung bedenken. Wie geht faire und ökologisch unbedenkliche Kleidung? Hier berichteten die Besucher*innen unserer Veranstaltung von eigenen Strategien und Erfahrungen. Einige hatten Second Hand hochwertige Kleidung erworben, andere hatten ihre Lieblingskleidungstücke reparieren lassen, einer berichtete von seinen 20 Jahre alten Lieblingsschuhen, die er in der Zeit 2 Mal hatte besohlen lassen. Diese Beispiele zeigen: qualitativ hochwertige Kleidung kann lange getragen werden und wir entwickeln eine Bindung zu unserer “zweiten Haut”.
Problem “Greenwashing”
Der Einsatz von nicht geschützten Begriffen wie „fair“, „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „natürlich“, Bio-zertifizierter Rohstoff (z.B. Bio-Baumwolle) schließt schlechte Produktionsbedingungen nicht aus. Manchmal ist nur die Verpackung „recycelbar“. Am Beispiel von H&M, wird deutlich, dass gleichzeitig eines Image Kampagne durchgeführt wird und Kinderarbeit nicht ausgeschlossen wird. H&Ms Recyclingkampagne „Bring-It“ regt den Konsum an, viele der zurückgebrachten Alt-Kleidungsstücke sind nicht recycelbar.
Wie erkenne ich Fair Fashion?
Siegel und Zertifikate geben Hinweise auf nachhaltige bzw. faire Produktion. Zu beachten ist, was genau zertifiziert ist (Material, Produktion, Lieferkette…?). Auf der anderen Seite lassen sich wegen der hohen Kosten nicht alle nachhaltigen Labels/Brands zertifizieren.
Rachel Becker hatte sich die Mühe gemacht zu recherchieren und konnte uns im Folgenden eine kleine Aufstellung der im Handel üblichen Siegel vorstellen, die wir im Folgenden vorstellen möchten. So kann diese Zusammenstellung eine Hilfe beim nächsten Kleidungskauf sein.

“Cotton made in Africa”“ macht keine Aussagen über die Weiterverarbeitungsbedingungen der Baumwolle und die Herstellung der Kleidung.

Ein wichtiger und wegweisender Ansatz den aktuell vermutlich nur wenige Hersteller erfüllen können.

Einen Schwerpunkt auf die Produktion setzt folgendes Siegel:

Das vorherige und die folgenden Siegel unternehmen Schritte, den gesamten Prozess vom Anbau bis zur Herstellung zu erfassen.

Auch der “Grüne Knopf” schaut als staatliches Siegel auf die ganze Lieferkette.

“Oeko-Tex Standard 100” beleuchtet lediglich die Schadstoffbelastung und ist aus unserer Sicht im umfassenden Sinne nicht mehr zeitgemäß. Das folgende Siegel ist infolgedessen als Weiterentwicklung anzusehen.

Mikroplastik in der Umwelt
Rachel Becker wies am Schluss auf die Problematik des Mikroplastiks bei synthetischen Kleidungsstücken hin. Insbesondere bei den ersten Wäschen, wird viel Mikroplastik ins Abwasser abgegeben. Im Handel werden Lösungen wie Waschbeutel oder nachrüstbare Filter für Waschmaschinen angeboten. Erste Länder wie Frankreich machen Filter sogar zur Pflicht.
Was können wir tun?
Wir können spezielle Waschbeutel verwenden. Hierzu hat Utopia eine Bewertung abgegeben.. Einerseits werden diese Beutel als sinnvoll erachtet, andererseits wird empfohlen möglichst auf synthetische Kleidung zu verzichten.
Hier geht es zum Artikel:
…und die Mikroplastik-Filter?
Hierzu hat die Plattform utopia.de einen ausführlichen Artikel verfasst, in dem das Problem von der Kleidung über die Waschmaschine bis zu dem Kläranlagen betrachtet wird.
Das Fazit – Sind Mikroplastikfilter für Waschmaschinen empfehlenswert?
“Ob die allerkleinsten Partikel mit den aktuell erhältlichen Filtern zurückgehalten werden können, ist nach der derzeitigen Studienlage unklar. Gegen den Einbau eines Mikroplastikfilters an der Waschmaschine spricht trotzdem nichts – solange man die abgefangenen Fasern ordentlich entsorgt. So kann man immerhin aktiv dazu beitragen, dass etwas weniger Mikroplastik im Abwasser und damit auch in der Umwelt landet.” (Quelle: utopia)
Hier der Link zum Artikel:
Soweit erst einmal Informationen aus der Welt des Klimaschutzes der Klimagerechtigeit und der Nachhaltigkeit.
Im Namen der IG Klima Kürten wünschen wir alllen geneigten Leserinnen und Lesern gesegnete, frohe und bunte Ostern.
Mit allerbesten klimafreundlichen Grüßen,
Patrick Walraf (Sprecher IG Klima Kürten)

