Einfach vegan – unsere Ernährung innerhalb der planetaren Grenzen

nachhaltig, bunt, lecker und gesund“ – Die Ernährung von morgen

Mit diesem Motto sind wir mit interessierten Teilnehmer*innen der Zukunftswerkstatt von Energy4ClimateNRW, die im Februar in Kürten in Kooperation mit der Gemeinde und unserer IG stattgefunden hat, mit unserem Format „Einfach vegan- Gemeinsam nachhaltig kochen und genießen“ gestartet. 

Wie wir uns ernähren, hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Wir nehmen damit auch direkten Einfluss auf unsere zukünftige Lebensgrundlage, denn unsere Ernährung stellt eine der größten Herausforderungen für unseren Planeten dar. Auf mehr als einem Drittel der bewohnbaren Fläche der Erde wird Landwirtschaft betrieben, 75 % davon werden alleine zur Erzeugung von Fleisch, Wurst, Milch oder Eiern benötigt. Nur vier Prozent der Sojaanbaufläche dienen der Erzeugung von pflanzlichen Nahrungsmitteln, der Rest wird zur Futtermittelproduktion für die Nutztiere der Fleisch- und Milchindustrie verwendet.

Bis zu 37 % der gesamten globalen Treibhausgasemissionen sind auf unsere Ernährung zurückzuführen- auch hier tragen tierische Produkte den größten Anteil von 69%. Unser Ernährungssystem ist die größte Bedrohung für unsere Natur und verantwortlich für 70 % des Verlustes an biologischer Vielfalt, für 80 % der Entwaldung und für 70 % der globalen Wasserentnahme.

Wir überschreiten also in allen Bereichen massiv die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten. Dabei ist eine gesunde und nachhaltige Ernährung machbar. Die EAT-Lancet-Kommission, ein weltweit führendes Gremium, das sich mit den globalen Ernährungssystemen befasst, hat 2019 mit der „Planetary Health Diet“ gezeigt, dass wir uns gesund ernähren können, ohne die Erde zu überlasten. Ein wichtiger Hinweis der Kommission betrifft die Versorgung mit Proteinen, die hauptsächlich durch pflanzliche Nahrungsmittel aufgenommen werden sollten und nicht – wie heute in vielen Regionen üblich – durch Fleisch, Milchprodukte und Eier.

Bei unserem Kochabend haben wir dies aktiv umgesetzt. Mit liebgewonnenen Zutaten und Zubereitungsmethoden, die sich in unserem Alltag in den letzten Jahren bewährt haben, haben wir zusammen gekocht und gegessen und einen sehr fröhlichen Abend miteinander verbracht. Als Ei-Alternative haben wir z.B. das Kochwasser von Bohnen für die Aioli verwendet oder daraus den Eischnee für die Spekulatiusmousse geschlagen -funktioniert prima! Und für die deftige Komponente in unserem Grünkohleintopf haben wir dänisches Rauchsalz und eine Frikadellenalternative aus Kidneybohnen und Sonnenblumenkernen genutzt.

In der Neugestaltung unserer globalen Ernährungssysteme liegt eine unserer größten Chancen, einen erheblichen Beitrag zum Schutz des Klimas, der Gewässer und der Biodiversität leisten. So könnten wir in Deutschland z.B. unseren ernährungsbedingten Flächenbedarf um bis zu 50% sowie unsere durch Ernährung verursachten Treibhausgasemissionen um bis zu 48 % reduzieren.

Ohne eine Ernährungswende können weder ein wirksamer Klimaschutz noch der Schutz wertvoller Lebensräume gelingen. Diese Neuausrichtung kann aber nicht allein durch uns Verbraucher:innen erreicht werden, sondern nur in Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft. Es reicht nicht aus, nur den landwirtschaftlichen Sektor zu betrachten oder allein das Verbraucherverhalten, es geht um eine ganzheitliche Umgestaltung unseres Ernährungssystems. Dies lässt sich am Beispiel des Wasserfußabdruckes verdeutlichen: 

Die Lebensmittelproduktion gilt als die wasserintensivste Aktivität und ist verantwortlich für den Verbrauch von rund 70 % allen genutzten Süßwassers. Unsere derzeitige Nachfrage nach Lebensmitteln zieht in Deutschland einen Wasserverbrauch durch Bewässerung von jährlich insgesamt 2,4 Mrd. m³ nach sich. Das entspricht in etwa der Wassermenge des Chiemsees. Davon gehen aktuell 82 % auf das Konto pflanzlicher und 18 % auf das Konto tierischer Lebensmittel. Ein Grund dafür ist, dass unser konsumiertes Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse überwiegend außerhalb Deutschlands erzeugt wird und wir 63 % bzw. 80 % unseres Obst und Gemüses importieren. Unser Selbstversorgungsgrad bei Tomaten lag 2020 bei nur 4 %. Auch bei Erbsen und Bohnen, die als alternative Proteinquelle an Bedeutung gewinnen, liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei etwas über 20 %. In den Herkunftsregionen muss für den Anbau dieser Produkte teils viel Wasser zur Bewässerung aufgewendet werden. Den mit Abstand größten Wasserbedarf durch Bewässerung von 585 Mio. m³ haben Zitrusfrüchte, dazu zählen z. B. Zitronen, Orangen und Mandarinen, die vor allem aus Spanien kommen. Die Wassermenge entspricht in etwa der des Königssees in Bayern. Auch die Bewässerung von Trauben mit 1.300 l und Nüssen (Walnüsse 1.100 l und Haselnüsse mit 700 l) zeigt den hohen Wasserbedarf dieser Produkte in den Herkunftsländern.

Eine größtenteils pflanzenbasierte Ernährung muss also einhergehen mit einer Steigerung unserer Selbstversorgung und der damit verbunden Erhöhung der heimischen Erzeugung von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen mit wasserschonenden Produktionsweisen.

Weiterführende Informationen zu den hier dargestellten Fakten finden sich in den vom World Wildlife Fund (WWF) veröffentlichten Studien und Informationsunterlagen sowie die daraus abgeleiteten Forderungen vom WWF an Politik und Wirtschaft. Diese enthalten auch weitere Angaben zur Planetary Health Diet der EAT-Lancet-Kommission. 

wwf-position-so-schmeckt-zukunft.pdf

WWF-Studie-Kulinarischer-Kompass-Wasser-Zusammenfassung.pdf

Mit dem Besseresser-Menüs zeigt der WWF konkret, was es heißt, sich eine Woche lang planetarisch-kulinarisch zu ernähren. Eine Woche voller köstlicher und leicht zuzubereitender Gerichte, die die Empfehlungen der EAT Lancet-Kommission berücksichtigen. Das Menü ist ein Beispiel dafür, wie wir zukünftig unseren Tisch decken können: nachhaltig, bunt, lecker und gesund. 

Besseresser:innen: Nachhaltige Wochenmenüs

Wir danken allen Teilnehmer*innen für diese tolle Erfahrung. Ein besonderer Dank geht auch an die katholische Kirchengemeinde Sankt Nikolaus in Dürscheid, die uns ihre Küche zur Verfügung gestellt hat. Herzlichen Dank auch an Familie Huppertz (https://www.hof-hoernen.de) für das köstliche, frische Gemüse von ihrem Biogemüsehof, welches sie uns für unser Menü gestiftet hat -regionaler und saisonaler geht nicht!

Unser veganes Menü:

  • Ofengemüse mit Aioli und Pumpkin Spice Humus und Möhrensalat
  • Deftiger Grünkohleintopf mit Knusperdellen
  • Vanillepudding mit Kürbisbutter und Spekulatiusmousse

Rezepte:

IG Klima Kürten beim Flohmarkt der Kleiderkammer

Die IG Klima Kürten informiert beim Flohmarkt der Kleiderkammer Kürten über ihre Aktivitäten in den Bereichen Biodiversität, Nachhaltigkeit im Alltag und Energie-, Wärme- und Mobilitätswende.

Flohmarkt am 12. August von 11-16 Uhr

Kleiderkammer des ZinK-Vereins

Dorfstraße 14, Kürten-Bechen

(ehemaliges Gasthaus Zur Erholung)

Nachhaltiges Shopping in der Kleiderkammer Kürten

In Europa werden pro Person durchschnittlich jedes Jahr fast 26 Kilogramm Textilien gekauft und etwa elf Kilogramm davon weggeworfen. Weniger als die Hälfte der Altkleider wird zur Wiederverwendung gesammelt und nur ein Prozent wird zu neuer Kleidung recycelt. Die Bekleidungsproduktion steigt stetig an, während die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Kleidungsstücks gesunken ist.

Ungehemmter Klamotten-Konsum oder lieber wertschätzendes, verantwortungsvolles Einkaufen? Gemeinsam Ressourcen, Klima und Umwelt schonen und gleichzeitig Freude am Stöbern, Entdecken und Stylen haben? 

Wie dringend notwendig ein Umdenken in unserem Konsumverhalten ist, zeigen folgende Fakten.

Bei der Herstellung eines einzigen Baumwoll-T-Shirts werden 4,4 kg CO2 ausgestoßen. In der EU verursachte eine Person im Jahr 2020 durch den Kauf von Textilien rund 270 Kilogramm CO₂-Emissionen, insgesamt führte der Verbrauch von Textilerzeugnissen in der EU zu 121 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen.

Weltweit verursacht die Modebranche 10 Prozent der CO₂-Emissionen – mehr als internationale Luftfahrt und Seeschifffahrt zusammen.

Die Ökobilanz eines T-Shirts aus Synthetik-Fasern ist sogar noch verheerender. Hinzu kommt, dass bei einer einzigen Wäsche von Polyesterkleidung 700.000 Mikroplastikfasern freigesetzt werden können. Etwa 35 Prozent des primären Mikroplastiks, das in die Umwelt gelangt, wird durch Waschen von synthetischen Textilien verursacht. Dabei wird der größte Teil des Mikroplastiks bei den ersten Waschgängen freigesetzt. „Fast Fashion“, welche auf Massenproduktion, niedrigen Preisen und hohen Verkaufszahlen basiert, führt zu einem Anstieg an ersten Waschgängen und damit auch zu einer erhöhten Freisetzung von Mikroplastik. Insgesamt hat das Waschen synthetischer Produkte zu einer Ansammlung von 14 Millionen Tonnen Mikroplastik auf dem Grund der Ozeane geführt. 

Ca. 2.700 Liter Süßwasser werden für die Produktion eines Baumwoll-T-Shirts verbraucht, etwa so viel, wie ein Person in 2,5 Jahren trinkt.

In 2020 wurden im Durchschnitt neun Kubikmeter Wasser, 400 Quadratmeter Land und 391 Kilogramm Rohstoffe benötigt, um Kleidung und Schuhe für jeden EU-Bürger herzustellen. Hinzu kommen ca. 20 Prozent der weltweiten Wasserverschmutzung, die durch die Färbung und Veredelung von Textilien im Rahmen ihrer Herstellung verursacht werden. Der Textilsektor ist somit die drittgrößte Quelle für Wasserverschmutzung und Flächenverbrauch.

Das ist eine verheerende Bilanz und wir sollten uns die Frage stellen, was wir damit machen. Die Augen verschließen und weitermachen wie bisher? Oder nutzen wir sie als Antrieb, um unser Verhalten wirksam zu verändern, gemeinsam neue Wege und Lösungen zu finden, ohne auf die Freude am Einkaufen verzichten zu müssen? 

Wir können nämlich auch anders:

  • Nur das kaufen, was wirklich benötigt wird
  • Beim Einkaufen auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit achten
  • So wenig wie möglich waschen, bei möglichst geringen Temperaturen und an der Luft trocknen
  • Die Nutzungsdauer der Kleidung durch den Kauf von gebrauchter Kleidung, Reparatur und Weitergabe so weit wie möglich zu verlängern

Gerade für die letzten Punkte bietet sich uns durch die Kleiderkammer Kürten eine wunderbare Gelegenheit. 

In der Dorfstraße 14 in Kürten-Bechen (ehemaliges Gasthaus Zur Erholung) betreibt der ZinK-Verein einen gemütlichen Second-Hand-Laden mit einem abwechslungsreichen Sortiment zu sehr günstigen Preisen. Schuhe, Accessoires und Kleidung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene warten auf neue Trägerinnen und Träger. Dank des großen Zulaufs und der Vielzahl an Spenden gibt es stets etwas Neues zu entdecken.

Das engagierte Team der Kleiderkammer freut sich auf unseren Besuch!

Öffnungszeiten:

Spendenannahme

montags 15 bis 18 Uhr

Second-Hand-Laden

dienstags und mittwochs 15 bis 18 Uhr sowie jeden 1. Samstag im Monat 10 bis 12:30.

Aktuelle Termine

Flohmarkt am 12. August von 11-16 Uhr auf dem Parkplatz hinter der Kleiderkammer

Weiter Infos: Kleiderkammer

Quellen:

Umweltauswirkungen von Textilproduktion und -abfällen (Infografik) | Aktuelles | Europäisches Parlament (europa.eu)

Neue Mode aus alten Kleidern? Besser ist länger tragen – NABU

BMUV: Mode und Textilien

https://imbstudent.donau-uni.ac.at/lessemissions2/der-co2-fussabdruck-unserer-kleidung/

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A52022DC0141

Vom Acker bis zum Teller: Gemeinsam die Ernährungswende meistern

Zukunftsimpuls des Wuppertal Instituts gibt Empfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für nachhaltige Ernährungs- und Konsumkonzepte

Die Ernährung ist in Deutschland durchschnittlich für rund 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Verbraucherinnen und Verbraucher sowie betriebliche Kantinen und Schulmensen können an vielen Stellen dazu beitragen, das Klima zu schützen. Doch was macht nachhaltige Ernährung aus? Wie lässt sie sich im Alltag umsetzen und auch in der Gastronomie etablieren? Und wie kann eine umweltfreundlichere Landwirtschaft gefördert werden? Antworten darauf liefert der neue Zukunftsimpuls „Zukunftsfähige Ernährungs- und Konsummuster gestalten“ des Wuppertal Instituts und gibt Empfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

weitere Infos: https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/7430

Takeaway ohne Plastikmüll: Pilotprojekt für ein einheitliches Mehrwegsystem für den Gastronomiebereich in Kürten

Wer kennt es nicht? Hungrig und voller Vorfreude die Speisekarte zu studieren, zu bestellen und dann ein hoffentlich leckeres Essen genießen. Spätestens beim Abräumen wird jedoch klar, welchen gigantischen Plastikmüllberg man sich damit ins Haus geholt hat. Dabei ist es so einfach, das zu ändern: Das Essen in einer Mehrwegverpackung bestellen und so ohne Müll und ohne zusätzliche Kosten oder eine Pfandgebühr mit nach Hause nehmen. Nach dem Genuss können die Behälter bei jedem Gastronomiebetrieb oder Supermarkt mit heißer Theke, die sich dem System angeschlossen haben, abgegeben werden. Dazu hat man 14 Tage Zeit. Damit das praktikabel ist, brauchen wir natürlich  so viele Gastronomiebetriebe wie möglich, die dabei mitmachen. Denn dann können wir die Behälter direkt um die Ecke oder z.B. beim nächsten Einkaufen zurückgeben. Es gibt auch eine App, die einem anzeigt, wo die nächste Rücknahmestelle ist. Für die Gastronomiebetriebe ist das Ganze sogar kostengünstiger als die Ausgabe in Einwegverpackungen.

weitere Infos: https://www.vytal.org/

Einwegverpackungen aus Kunststoff werden fast ausschließlich aus fossilen Rohstoffen gewonnen und sind damit klimaschädlich. Durch die Entsorgung und das Recycling werden weitere Emissionen und Kosten verursacht. Auch mit den Spülvorgängen und der Logistik steht die Öko- und Klimabilanz der Mehrwegbehälter wesentlich besser da. Und wenn ein Mehrwegbehälter einmal ausgedient hat, wird er selbstverständlich recycelt.
Spätestens 2023 sind Gastronomiebetriebe gesetzlich verpflichtet, Mehrwegverpackungen anzubieten. Wir sind der Ansicht, dass wir diesen Weg schon früher und mit einem einheitlichen Mehrwegsystem für Kürten einschlagen können. Die Verantwortung liegt aber nicht bei der Gastronomie, sondern bei uns allen und wir können dieses Projekt nur gemeinsam mit allen Beteiligten durchziehen. Wir sind gerade dabei, dem System in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Kürten Rebecca Grunert einen Weg zu bereiten, um interessierten Gastronomiebetrieben, die dieses Angebot gerne nutzen möchten, den Einstieg so leicht wie möglich zu machen. Jeder von uns kann dazu beitragen, die Gastronomiebetriebe zu unterstützen, indem wir ihr Takeaway-Angebot nutzen und das Mehrwegangebot freudig annehmen.