Newsletter April

Liebe klimainteressierte Kürtener*innen,

diesmal behandeln wir das Thema Öl in verschiedenen Formen, dessen Problematik und auch dessen Alternativen. Wir beschäftigen uns mit der Energie für unsere Heizungen und für unsere Mobilität. Es geht um die Entscheidung, die fast alle treffen können, etwas zu verändern. Es geht um die  Frage, ob Energieunabhängigkeit möglich ist.

Ein weiterer Artikel befasst sich dann folgerichtig mit der Schwierigkeit, Gewohnheiten zu verändern. 

Wir weisen hin auf Demos im April, bei denen wir alle gegen das Ausbremsen der Energiewende durch die Bundesregierung protestieren können. 

Auch das Resumée unseres Filmabends steht im Zeichen des Öls, da Plastik in der Regel aus Öl hergestellt wird. Was können wir tun? 

Wir blicken zurück auf das Benefizkonzert mit Roland Vossebrecker.

Eine Fitness-Alternative für die individuelle Mobilität wird vorgestellt. Wir schließen dann mit den ersten liebevoll-unterhaltsamen „textilen Beziehungsgeschichten“ die uns nach unserem Aufruf im letzten Newsletter erreicht haben.

Wir versprechen eine sehr informative und anregende Lektüre!

Neugierig geworden auf die IG Klima?

Wer uns kennenlernen möchte, kann gerne zum nächsten Plenum kommen. 

Zeit: Montag, 27.04.2026 um 19:30

Ort: Pfarrhaus, Kürten Dürscheid, Kirchberg 4

Energieunabhängigkeit ist möglich!

„Ein Friedensvertrag der Menschheit mit der Natur ist ohne eine globale

Sonnenenergiewirtschaft nicht möglich. Wir stehen so sehr unter Zeitdruck,

und wir haben andererseits die Chancen einer Sonnenstrategie so greifbar vor uns,

dass wir die menschenverachtenden Verschleppungsmethoden derjenigen,

die‚ nicht tun, was sie wissen‘ (Robert Jungk), nicht mehr hinnehmen werden.

Für die Gewinnung der ‚Energie des Volkes‘ ist eine Mobilisierung der

Energien  des Volkes nötig. Eine Sonnenenergie-Revolution.

Dazu gibt es keine politische Alternative.

Hermann Scheer, Sonnenstrategie, 1993

Was Hermann Scheer vor über 30 Jahren ausdrückte ist weiterhin hochaktuell. Er hatte die Vision einer „Energie des Volkes“, letztendlich ging es damals schon um die Demokratisierung der  Energieversorgung.

Wo stehen wir heute?

Wir stolpern von einer Energie-Krise in die nächste. Der Angriffskrieg gegen den Iran bringt die Welt durcheinander und zeigt, wie abhängig wir immer noch von fossilen Energieformen sind und wie dringend es ist, die Erneuerbaren auszubauen. Es ist zu vermuten, dass in den kommenden Monaten die Lebenshaltungskosten steigen werden, da der noch nicht elektrifizierte Güterverkehr die Kostensteigerungen im Transport durchgeben wird. 

(Bildquelle: derBeste.de)

Forscher rätseln: 

Warum entstehen Öl- und Gasfelder immer in Krisengebieten?“ 

Quelle: der Postilllon

Diese Überschrift der Satire-Zeitschrift „der Postillion“ bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt.

Hier geht es zum Originalbeitrag:

https://www.der-postillon.com/2026/03/oel-gas-krisengebiet.html

Betrachten wir die Geschichte der fossilen Energieformen fällt auf, das sich um diese immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen ranken. 

Das Gas und das Öl das wir aus Russland bezogen haben (oder über Umwege noch beziehen?) hat die Kriegskasse von Herrn Putin gefüllt und den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine ermöglicht. Vom aktuellen ebenfalls völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran profitieren weltweit Öl- und Gasfirmen während die Bürger für die Bewältigung ihres Alltags mehr zahlen müssen. 

„Exxon,Chevron und andere US-amerikanische Öl- und Gasproduzenten sowie Raffinerien erreichten inmitten des Iran-Krieges Rekordhochs bei den Aktienkursen, während die Verbraucher die Kosten tragen.“

Quelle: Fortune– Exxon, Chevron and US oil and gas producers hit all-time highstock values amid Iran war

Laut Forbes konnten die beiden Milliardäre Robert Pender und Mike Sabel, denen 80 % der Anteile an der US-LNG-Firma Venture Global gehören, ihr Vermögen seit dem US-Angriff auf den Iran bereits um fast 29 % auf jeweils über 12 Milliarden US-Dollar steigern. Sie gründeten Venture Global erst vor gut vier Jahren, als die europäische Nachfrage nach US-LNG sprunghaft anstieg. Inzwischen liefern sie bereits rund halb so viel, wie der LNG-Pionier Katar.

Quelle: Forbes– The American LNG Billionaires Set To Cash In On War With Iran

Unsere fossile Abhängigkeit erzeugt also Kriege und in dem Zusammenhang wenige Gewinner (fast ausschließlich Männer, deswegen gendere ich nicht – siehe das Buch “Männer, die die Welt verbrennen” von Christian Stöcker) und sehr viele Verlierer*innen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. 

Wer sich mit dem Thema weiter befassen möchte, dem sei ein lesenswerter Artikel von Hans-Josef Fell, dem Mitgestalter des EEG-Gesetzes (Erneuerbare-Energien-Gesetz) empfohlen:

… und die Folgen für Mensch und Umwelt?

Bislang wird viel zu wenig darüber geredet, welche Umweltschäden durch die kriegerischen Auseinandersetzungen entstehen. Sind brennende Gas- und Ölfelder im nahen Osten nicht von Interesse? Aber auch außerhalb  von kriegerischen Auseinandersetzungen haben die Förderung von Gas und Öl Folgen. Wir haben uns an diese gewöhnt und dennoch sind sie gravierend: die Methanleckagen der Gaspipelines heizen den Klimawandel an. Die Förderung von Erdöl führt zu Umweltschäden, unter denen die Bevölkerung leidet. ARTE hat zum Beispiel einen Umweltaktivisten im Irak begleitet, der versucht zu beweisen, wie die  dortige Erdölförderung zu erheblichen Gesundheitsbelastungen führt. Hier leidet also auch wieder die Bevölkerung vor Ort an den Ölfeldern und profitiert nicht von deren Gewinnen. Zudem riskieren Umweltaktivisten im Irak viel, wie der Film zeigt.

Hier der  Link bei ARTE: https://youtu.be/SuxCvs_XCZ8?is=GAn-lL0sk_3fCE0l

Wie wäre es mit einem Experiment?

Wie wäre es mit einem gesellschaftlichen Versuch? Vorbedingung ist, dass wir uns unabhängig machen von fossilen Energieimporten. Dafür müssten wir die Erneuerbaren Energien rasch und erheblich ausbauen und unsere „Verbraucher“ von Öl und Gas abschaffen. Und ja, es ist bekannt, dass Deutschland nicht ohne importierte Energie auskommen wird, es gibt an wenigen Tagen im Jahr Dunkelflauten (Zeiten ohne Wind und Sonne). Hier kann allerdings das europäische Stromverbundnetz helfen, intelligentes Lastmanagement und  Batteriespeicher. Experten gehen davon aus, dass wir dann in einem noch geringen Umfang Wasserstoff importieren müssen. Entscheidend aber ist der Schritt der Reduzierung von 98% Erdölimporten (laut Wikipedia werden in Deutschland nur 2% des Erdölbedarfs gefördert!) und rund 95% Gasimporten (laut Zeit.de). Um unabhängig zu werden, müssen in der Konsequenz die Mobilität und die Wärmeerzeugung radikal elektrifiziert werden.

Könnte es sein, dass unsere Welt dann friedlicher würde? 

Sicherlich, es gäbe weiter Konflikte um Rohstoffe, aber der größte Teil des „Kuchens“, um den gestritten wird, nämlich die fossilen Energien, würde schrumpfen. 

Was können wir tun?

Hier ein zuerst paradox erscheinender Aufruf: Leute, reißt die Gasheizung raus und fahrt Euren Verbrenner möglichst bald zum Schrottplatz! Klingt wenig nachhaltig? Einerseits ja, andererseits brauchen wir einen raschen Technologiewechsel um krisenfester zu werden. Was bedeutet krisenfester? Wir haben es mit 2 Krisen zu tun: einerseits die Klimakrise, die wir eindämmen müssen und andererseits die immer wieder entstehenden wirtschaftlichen Krisen im Zusammenhang mit kriegerischen Handlungen in und von energieliefernden Ländern. 

Ich weiß, meine Forderung ist unerhört, vielleicht auch eine Zumutung, aber es führt kein Weg daran vorbei, wenn wir in eine sichere Zukunft gehen wollen. Wir laden zum Gespräch ein. Gerne könnt Ihr Eure Reaktionen an info@klima-kuerten.de schicken. 

Zweiter Teil des Aufrufs: 

Wer kann, schraube sich Photovoltaik aufs Dach, an die Fassade, an den Carport, an den Balkon… Es lohnt sich immer! Denn:

„Das Sonnenlicht legt 150 Millionen Kilometer zurück um die Erde in 8 Minuten und 19 Sekunden zu erreichen und kein einziger davon führt durch die Straße von Hormus.“

Quelle: MetropolSolar

Veränderung braucht Mut – Mutig sein lohnt sich!

Demos im April

Energiewende statt Weltende!

Quelle des Aufrufs: https://www.allerweltshaus.de/veranstaltungen/energiewende-statt-weltende

In Berlin, Hamburg, Köln und München – bundesweit sind wir auf der Straße

Wenn Katherina Reiche und diese Bundesregierung die Energiewende zurückdrehen wollen, werden wir laut! 

Gemeinsam am 18.04. um 12 Uhr am Heumarkt auf die Straße.  
+ Bundesweiter Gas-Aktionstagam 24.4.

Egal ob wir in der Stadt oder auf dem Land leben, wie wir zur Arbeit kommen oder wie viel wir am Ende des Monats übrig haben: Wir alle wollen ein warmes Zuhause, bezahlbare Mobilität und einen gesunden Planeten, auf dem unsere Kinder gut und frei aufwachsen können. Ein Garant dafür ist die Energiewende.

Doch genau diese steht aktuell auf dem Spiel. Mit großer Sorge beobachten wir, dass Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Teile der Union den Ausbau der Erneuerbaren Energien ausbremsen wollen.

Fossile Energien gefährden unsere Sicherheit und treiben Preise in die Höhe. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine internationale Krisen, und eskalierende Energiepreise zeigen deutlich: Öl und Gas machen uns abhängig und erpressbar. Gleichzeitig verschärfen sie die Klimakrise und ihre sozialen Folgen.

Der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien schützt Verbraucher*innen vor steigenden Kosten, stärkt regionale Wertschöpfung, sichert Arbeitsplätze im Mittelstand und in der Industrie und demokratisiert unsere Energieversorgung. Er ist die beste Antwort auf Klimakrise, Energiepreisrisiken und geopolitische Abhängigkeiten.

Deshalb schließen wir uns zusammen – als Bürgerinnen, Demokratinnen, Klimaschützerinnen, Beschäftigte, Unternehmerinnen und Menschen aller Generationen – und rufen zu Demonstrationen am Samstag, den 18. April auf, unter anderem in Köln.

Unsere zentralen Forderungen:

• Ein höheres Ausbautempo bei Solar- und Windenergie

• Eine Ausbauoffensive für Verteilnetze, Stromspeicher und Digitalisierung der Netze

• Eine starke europäische Energiewende-Industrie und Schutz vor unfairem Wettbewerb

• Eine Absenkung der Stromsteuer für alle sowie günstigere Strompreise für Wärmepumpen

• Soziale Förderung und starker Mieterschutz für bezahlbares klimafreundliches 

Heizen

IG Klima Filmabend – ein Resümee

Am 14. März präsentierten wir die 45minütige ZDF-Dokumentation „Vom Wundermaterial zum Umweltkiller: Wie Plastik unsere Umwelt bedroht“ im Pfarrheim in Dürscheid. Unserer Einladung waren 16 Personen gefolgt. Besonders gefreut haben wir uns darüber, dass Steffi Marx-Bleikertz mit einem Stand ihren Unverpackt-Laden „Büggel“ vorstellte. Der Einkauf in einem Unverpackt-Laden ist ein effektiver Weg den Verpackungsmüll zu reduzieren. 

Nach der Filmvorführung schloss sich eine etwa ebenso lange Diskussion an. Hier ging es zunächst einmal darum zu benennen, welche Informationen/Fakten/Zahlen die Teilnehmer am meisten bewegt haben. Anschließend haben wir noch einige Ideen zusammen getragen, wie jeder von uns dazu beitragen kann, andere zu sensibilisieren und den Plastikverbrauch zu reduzieren.

Die wichtigsten Zahlen, Daten, Fakten aus dem Film:

Produktion und Umweltverschmutzung:

Die gesamte Menge an Plastikproduktion seit 1950 beträgt ca. 12 Mrd. Tonnen. Die jährliche Plastikproduktion beträgt weltweit zur Zeit: 400 Mio. T. und wächst weiter exponentiell.

Jedes Jahr landen 12 Mio. t Plastikmüll in den Ozeanen, täglich werden ca. 30 kg Mikroplastik durch den Rhein in die Nordsee geschwemmt. 80% des Plastikmülls im Meer sammelt sich in Asien.

Pro-Kopf-Verbrauch

In Europa verursacht jeder Mensch pro Jahr durchschnittlich 150 kg Plastikmüll, in Nordamerika 225 kg. 50% der Plastikabfälle landen auf Deponien, 19% in Verbrennungsanlagen, 22% in der Umwelt. Nur ca. 9% des Plastikabfalls wird in Europa recycelt. Der größte Teil landet in  Asien, dort wird der nicht recycelbare Anteil als Brennstoff, zum Beispiel in Tofu-Küchen verwendet, natürlich fehlen Filtersysteme für die entstehenden Rauchgase.

Weltweit kennen 2 Mrd. Menschen kein Sammelsystem für Plastikabfälle. 

Plastik im Körper

Ein Mensch nimmt heute pro Woche ca. 5 g Mikroplastik auf, das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. (Bild: Kreditkarte). Im Körper eines Menschen lassen sich inzwischen mehr als 300 Chemikalien finden.

Bewegendes aus dem Film

Wenn ein Kunststoff als recycelbar gilt, heißt es noch nicht dass er auch recycelt wird. Häufig ist Recycling für Plastikhersteller finanziell nicht attraktiv. Zudem wird Plastik mit jedem Recyclingvorgang „giftiger“, was eine Verwendung für Lebensmittel-verpackungen unmöglich macht. Die Inhaltsstoffe von Plastikverpackungen gelten als Betriebsgeheimnis und werden von den Herstellern nicht kommuniziert.

Coca Cola, Pepsico und Nestle verursachen 14% des an den Meeresküsten gesammelten Plastikmülls, kommen aber nicht für die Folgekosten auf. Die Plastiklobby ist die Öllobby, diese verteidigt ihr umweltschädigendes Geschäftsmodell. Der einzige Weg zur Eindämmung des Problems ist die Reduzierung der Plastikproduktion. Aktuell wächst die Plastikproduktion allerdings noch exponentiell. 

Wie es anders geht  zeigte China im Jahr 2018 mit dem abrupten Stopp des Imports von Plastikmüll. Dadurch allerdings wurden die „Plastikströme in andere, zum Beispiel asiatische und afrikanische Länder umgeleitet. 

Was können wir tun?

Eine gute Möglichkeit ist der Einkauf in Unverpackt-Läden. Aber auch in Supermärkten können wir konsequent versuchen lose Lebensmittel (z.B. Obst, Gemüse) zu kaufen. Selbst mitgebrachte Verpackungen können an Fleisch- und Käsetheken eingesetzt werden. Es gibt keine gesetzliche Grundlage, die dies verhindert, deshalb sollten wir auf jeden Fall unsere lokalen Einzelhändler darauf ansprechen. 

Auch können wir das private Umfeld sensibilisieren, zum Beispiel indem wir Freunde einladen um den Film zu schauen. 

Wie wäre es zum Beispiel mit einem eigenen Ziel? Nur noch ein gelber Sack pro Person und Monat oder weniger?

Was plant die IG Klima?

Wir möchten mit umliegenden Schulen (Gesamtschule Kürten, Gymnasium Herkenrath, etc.) in Kontakt treten und möchten anbieten gemeinsam mit Schüler*innen den Film anzuschauen. Dazu bieten wir eine moderierte Diskussion an. Auf Anregung einer Besucherin unseres Filmabends möchten wir zudem die Idee der Installation von Wasserspendern in Schulen aufgreifen und bewerben.

Wie ein 16jähriger Lösungen zur Säuberung des Meeres von Plastik entwickelte

Boyan Slat entwickelte „Ocean Cleanup“ nachdem er mit 16 Jahren in Griechenland mit der Verschmutzung des Meeres mit Plastik konfrontiert wurde. Trotz aller Skeptiker gelang es ihm ein System zu entwickeln, dass die Verschmutzung der Weltmeere mit Plastik eindämmt. Ein bewegendes Beispiel von „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.

Link zur Organisation: theoceancleanup.com

Link zu einem Film über Bojan: https://youtu.be/Yj8KD9frqQ8?is=Jay9JA36HVgUwYYf

Roland Vossebrecker von der Initiative KlimaGerecht Leben spielte in Kürten

Am Sonntag, den 2  2.03.2026 spielte der Komponist, Pianist und Aktivist Roland Vossebrecker im Bürgerhaus zu Kürten. Er brachte eigene Kompositionen zu Gehör, die in ihrer Stilistik eine große Vielfalt aufwiesen. Sanfte, ruhige Passagen wechselten sich ab mit lebendigen, teilweise humorvoll klingenden Abschnitten. 

Im Kontrast dazu das ernste Anliegen seiner Konzerte: die durch den Klimawandel sich zuspitzende Ungerechtigkeit. Ärmere Menschen, insbesondere im globalen Süden, sind überproportional stark von Wetterextremen betroffen. Es handelt sich um Nomaden, familien-wirtschaftende Fischer, Regen-und Wanderfeldbauern, sich selbst versorgende Bauern, Slumbewohner, marginalisierte Bewohner in Flussregionen und an Küsten, Angehörige indigener Völker und ethnischer Minderheiten, Menschen mit Behinderungen, Frauen, Kinder und Senioren, soweit sie unmittelbar dem Wetterrisiko ausgesetzt sind und nur geringe eigene Mittel zur Verfügung haben,sich an das veränderte Klima anzupassen.

Auch in diesem Jahr wurde das Konzert von der Gemeinde Kürten, vertreten durch die Klimaschutz- und Fördermittelmanagerin Viviane Pape und der IG Klima Kürten organisiert. Die Spenden gingen zu 100 Prozent an die Organisation OXFAM.

Wann ändern wir unser Verhalten, 

wenn andere es tun? 

Bildquelle: karrierebibel.de

Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“ wird häufig gesagt. Unsere Gewohnheiten geben uns Orientierung und Sicherheit, minimieren in der Regel die Anstrengung, da wir uns nicht beständig auf Neues einstellen müssen. Das stimmt einerseits. Andererseits haben wir auch eine natürliche Neugierde, die uns offen macht für Unbekanntes und die unabdingbar ist für individuelle und gesellschaftliche Entwicklungen. Jede Person hat eine unterschiedliche Balance zwischen dem „Das haben wir schon immer so gemacht“ und dem oder der Entdecker*in in uns.

Die Klimakrise erfordert nun in vielen Bereichen eine Abkehr von dem Gewohnten hin zu Neuem, für uns noch Unbekanntem, wir brauchen also Entdecker-Neugier.

Wenn wir uns nicht verändern, verändert sich das Klima!

Die notwendigen Veränderungen haben zentral mit dem Umbau unserer Energie- und Mobilitätssysteme zu tun. Die Klimakrise ist ein unbarmherziger Antreiber, denn das Klima lässt nicht mit sich verhandeln. Insbesondere unser sich fortsetzender Ausstoß von Klimagasen, der zum größten Teil aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern herrührt, heizt das Klima weiter an, die CO2-Konzentration steigt. Dieser Prozess nimmt keine Rücksicht auf unsere Gewohnheiten oder Ängsten. Um ihn zu stoppen sind vielfältige „Umstiege“, also Verhaltensänderungen notwendig. Sei es im Bereich des Wohnens, der Abschied von der Gas- oder Ölheizung hin zu einer Wärmepumpe oder die Veränderung unseres Mobilitätsverhaltens, mehr Rad, ÖPNV, das E-Auto, mehr Urlaubsreisen mit der Bahn anstatt zu Fliegen, Veränderungen hin zu mehr Suffizienz und Nachhaltigkeit im Konsumverhalten usw.

Hier hemmen häufig Ängste den Veränderungsprozess. International legendär ist die „German Reichweiten-Angst“ im Hinblick auf das E-Auto, also die Angst liegenzubleiben. Ja, dieses Wort ist mal wieder ein deutscher „Exportartikel“. E-Autos sind mittlerweile absolut langstreckentauglich, ältere Modelle reichen im Übrigen immer noch für die statistischen 30-40 KM täglicher Pendelstrecke, die Ladeinfrastruktur wächst ständig. 

Andere Ängste betreffen die Frage, ob die Wärmepumpe das eigene Haus heizen kann – was die skandinavischen Länder seit Jahren beweisen. Auf die Urlaubsreise in die Karibik verzichten? Nein danke. Dabei gibt es in Deutschland und Europa wunderbare Orte zum Erholen und Urlaub machen (Grüße aus Wien von dem mit der Bahn angereisten Verfasser).

Ein häufiger Bremser ist häufig die Verlustangst: nicht mehr wie „Diesel Dieter“ 1000 KM am Stück fahren können – was die Wenigsten machen. Eine Wärmepumpe ist zu teuer in der Anschaffung. Und so weiter …

Wir können aber auch den „Gewinn“ betonen: das bessere Gewissen bei klimafreundlichem Heizen mit Strom, das zudem auch noch in den monatlichen Kosten günstiger ist. Der in Dänemark wissenschaftlich untersuchte und nachgewiesene Gesundheitsgewinn des Radfahrens (auch elektrisch), das leisere elektrische Fahren im E-Auto. Manche „Investitionen“ generieren einen Gewinn, zum Beispiel neben dem langfristigen monetären Vorteil, die Freude an dem mit der PV-Anlage oder dem Balkon-Kraftwerk selbst geerntetem Strom.

Quelle: Packsdrauf.de

Zuerst einmal verlangen diese Veränderungen eine Anstrengung. Wir müssen umplanen, uns mit Neuem, Unbekanntem befassen. Diese Anstrengung lohnt sich. Um Fortschritte zu erreichen, müssen wir etwas ändern. Dieser Satz prägt die Menschheitsgeschichte. Wenige „Pioniere“ haben Neues ausprobiert. Neugierig geworden, haben die „Early Adopters“ das Neue übernommen. Die breite Masse folgte dann dem Beispiel, hier spielt die menschliche Fähigkeit der  Nachahmung eine große Rolle. 

Eine Studie der Universität Zürich hat sich damit befasst wie zum Beispiel Kampagnen für mehr Klimaschutz erfolgreich sein können. Hierzu ein Zitat aus MDR-Wissen: „Denn Kampagnen könnten so gestaltet sein, dass  sie gezielt diejenigen adressieren, die ohnehin nur einen kleinen Anstoß für nachhaltiges Verhalten bräuchten und weitreichend in  sozialen Netzwerken verbunden sind. Dann könnten Kampagnen eine viel größere Wirkung erzielen, heißt es. Im Volksmund und auf die private Ebene heruntergebrochen heißt das: „Tue Gutes und rede darüber“… bzw. „poste“ dazu … oder schreibe ein Newsletter… 😉

Hier der Link zum MDR-Bericht, der den Verfasser zu diesem Artikel angeregt hat: 

https://www.mdr.de/wissen/psychologie-sozialwissenschaften/verhalten-aendern-wendepunkt-soziale-netzwerke-100.html

Wir suchen Eure klimafreundliche Veränderungsgeschichte

Letztes Mal suchten wir „textile Beziehungsgeschichten“ – siehe weiter unten imNewsletter. Diesmal könnt Ihr uns Eure Erlebnisse zusenden  rund um klimafreundliche Veränderungen, die Ihr für Euch vollzogen habt. Welche Hürden musstet Ihr überwinden? Was oder wer war hilfreich? Worauf musstet Ihr verzichten? Was war eventuell der persönliche Gewinn? Ermutigt Euch der Erfolg, weitere Veränderungen anzugehen?

Wir freuen uns auf Eure Zusendungen an: info@klima-kuerten.de

Textile Beziehungsgeschichten

Wir hatten im letzten Newsletter eingeladen, die Beziehung zur eigenen Kleidung einmal in den Fokus zu nehmen. Wir entwickeln zu den Stoffen, die uns täglich nahe sind, häufig eine besondere Beziehung. Unabhängig von der Herstellung der Kleidung, die allzuoft leider nicht nachhaltig ist, bedeutet die Dauer der Beziehung zum Lieblingskleidungsstück einen Akt der Nachhaltigkeit. Vielleicht  geben wir dieser Beziehung durch Reparatur sogar noch einen zweitenFrühling. Hier sind erste Einsendungen solcher Geschichten – wir bedanken uns herzlich für diese schönen Geschichten:

Qualität aus Burlatingen

„Hallo zusammen,

ich trage seit gut 10 Jahren Unterhemden von Trigema, Ihr wisst, die Marke mit dem Werbeaffen aus Burlatingen und ich habe damals in Waldbronn, 10 km von Karlsruhe entfernt gearbeitet. In Waldbronn gab es einen Outlet-Laden von Trigema und der Bruder des Seniorchef von Trigema war mit seinem Unternehmen Kunde meines Arbeitgebers.

So bin ich an die Unterhemden erstmals geraten, sie kosteten um die 20 Euro pro Stück und wurden in Deutschland gefertigt, wie versichert wird. Die Unterhemden sind nach diesem langen Gebrauch immer noch bestens in Form und werden noch viele Jahre meinen inzwischen lädierten Rücken wärmen. Ich hoffe, das ich trotz der hohen Qualität dieser Unterhemden, sie dennoch überleben werde 😂.

PS: Auf die Jahre gesehen ist der Preis günstiger als die billige Wegwerfkleidung und meine Mail ist keine Werbemail.

Gruß, J.

Weit gekommen: 

meine Wanderschuhe und ich –

eine langjährige Beziehung 

22 Jahre lang haben mich diese treuen Treter begleitet, in jeden Urlaub, aber auch im Alltag im Bergischen Land. Zwei Jahrzehnte voller Matsch, Geröll, überraschender Regenschauer.  Sie waren dabei, als ich mich verlaufen, als ich grandiose Ausblicke genossen und besondere Entdeckungen gemacht habe.

Natürlich sahen sie irgendwann nicht mehr taufrisch aus. Die Sohle? Mehrfach erneuert vom Dorfschuster. Aber genau das war ja das Schöne: Diese Schuhe wurden nicht ersetzt – sie wurden gepflegt, repariert, wiederbelebt. Während andere Schuhe kamen und gingen, blieben meine Wanderschuhe einfach.

Doch dann kam eine Änderung. Kein dramatischer Riss, kein spektakulärer Unfall. Nein, viel banaler – und gerade deshalb so schade: Sie wurden zu eng. Nach 22 Jahren! Entweder haben sich meine Füße heimlich weiterentwickelt oder die Schuhe beschlossen, in den wohlverdienten Ruhestand zu schrumpfen.

Ich habe die Änderung noch eine Weile verdrängt: dünnere Socken getragen, kürzere Strecken gelaufen. „Ach, das geht schon noch“– die üblichen Verhandlungsversuche. Aber irgendwann musste ich es mir eingestehen: Unsere gemeinsame Zeit auf den Wegen dieser Welt war vorbei.

Es fühlte sich ein bisschen an, als würde ich einen alten Freund verabschieden. Einen, der nie gemeckert hat, immer mitgekommen ist.

Und die neuen Schuhe? Die sind gut, wirklich. Ich habe mich in sie hinein entwickelt und sie ebenfalls liebgewonnen. Mittlerweile sind auch sie neu besohlt worden. Trotzdem: Die Vorgänger waren eben meine Ersten! An ihnen haften langjährige Erinnerungen. 

Von A. aus Sülze

Eine langjährige Wuppertaler Liebe – meine Lederhalbstiefel.

Es war ein Zufall, vielleicht auch eine Laune in der Mittagspause, in der  ich durch eine Wuppertaler Einkaufspassage streifte. Kein gezieltes Shopping, keine gezielte Suche. Damals fehlten mir noch Winterhalbstiefel mit denen ich bequem und dennoch warm durch den Bergischen Winter mit dem Zug und den dazu gehörenden Fußwegen von Kürten zur Arbeit in die Schwebebahn-Stadt kommen konnte. Da waren sie in der Auslage! Schwarze Halbstiefel von „Bello“ – ich weiß nicht, ob es die Marke heute noch gibt. Der Preis war hoch und dennoch akzeptabel. Nachhaltige Produktion? Sicher nicht optimal. Eigentlich unvernünftig für einen nachhaltig denkenden Menschen. Dennoch kaufte ich sie. Sie waren einfach so bequem, schmiegten sich regelrecht an die Füße, waren elastisch und dennoch stabil. Aus diesem Spontankauf entwickelte sich eine mittlerweile zwanzigjährige (!) Beziehung, die immer noch währt. Einige Neubesohlungen später, der Dorfschuster nahm sie stets lächelnd entgegen, sind es immer noch meine Lieblingsschuhe für die Übergangsmonate. Und ja, das Leder hat Falten, ist etwas rissig und hält dennoch. Ich bin ja schließlich auch nicht jünger geworden, habe auch die eine oder anderen Falte. 

P. aus Kürten-Ort

Die Hose in die Werkstatt bringen…

Wer kennt es nicht? Die Lieblingshose, die schon so schön eingetragen ist, diejenige, anhand deren Falten man bei einem Banküberfall überführt werden könnte. 

Genau diese schöne, bequeme Hose wird langsam dünn.

Die hintere Hosentasche hat schon ein Loch, weil ich zu oft das Handy darin getragen habe. Diese Hose, die mich schon so lange begleitet, die wie angegossen sitzt, wo nichts drückt, etwas locker, leicht und luftig, aber auch nicht zu schlaksig. Der Gedanke, diese Hose aufgeben zu müssen, trübt die Stimmung und ich klammere mich an den Gedanken, dass sie als Arbeitshose noch lange weiterleben kann. Die ausgefransten Hosenbeine lassen mir keine Wahl. Damit lässt mich meine Frau nicht mehr auf die Straße. Eine Hose ist Vertrauenssache, die kauft man nicht einfach so. Ich hasse es, im Kaufhaus Hosen anzuprobieren. Das ist die reinste Quälerei, weil es genau diesen Hosentyp nicht mehr gibt. Raus, rein, raus, rein – nein danke. Und wenn man Pech hat, ist sie nach der ersten Wäsche eingelaufen und passt nicht mehr. Der Umstieg auf ein neues Modell würde für mich eine ungeahnte Herausforderung darstellen. Ich wechsle ja auch nicht alle paar Jahre meine Partnerin. Ich sehe da nur eine Lösung. Eine gebrauchte, oder nein, besser formuliert, muss es heißen, eine gut eingetragene Hose muss her. Die feinen Leute lassen sich ihre edlen Stiefel schließlich auch von Angestellten eintragen. Warum sollte ich nicht auch meine neue Hose schon mal eintragen lassen? Die Kleinanzeigen machen es möglich, dass ich genau meine Hose finde, genau die, von der ich schon 3 habe, die aber alle leider schon recht arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ein innerer Jubel macht sich in mir breit und ich kaufe die Hose. Die Hose kommt an, sieht perfekt aus und ich möchte sofort hineinschlüpfen. Auf die überschwängliche Freude folgt die Ernüchterung. Ich ziehe den Wanst ein und schaffe es in die Hose. Sie sitzt stramm, seeehr stramm und ich kann nur flach atmen. So ein Mist! Was nun? Na gut, ich wäre kein Ingenieur, wenn ich nicht eine Hose weiten könnte. Es gibt natürlich die klassische Methode, wobei man sich in die Hose klemmt und so lange anbehält, bis sie passt. Hm, dazu habe ich aber keine Lust. Also muss  etwas anderes her. Zum Glück habe ich diverse Einhebelklemmen, die man von Klemmen auf Spreizen umbauen kann. Kurz und gut, die Hose wurde etwas angefeuchtet, über Nacht gespreizt und sitzt nun perfekt. Dann mache ich mir noch Gedanken über die ausgefransten Hosenbeine der anderen Hosen und darüber, wie lange ich diesen Hosentyp noch gebraucht bekommen werde. Ich überlege mir rechtzeitig vorzubeugen und das schwächste Glied der Hose zu verstärken. Da meine Hosen schwarz sind, ist es einfach ein passendes Garn zu finden und den Saum der Hose mit einem Zickzackstich zu verstärken. Das ging so gut, dass ich die anderen Hosen auch gleich nach genäht habe. So, nun kann ich die wirklich zerschlissene Hose zur Arbeitshose machen, habe 2 gut reparierte Hosen und eine fast neue. Das reicht nun wieder für die nächsten Jahre, denn die Qualität des Stoffes ist einfach sehr gut und haltbar. Die schlechteste Hose wird nun zur Arbeitshose. Endlich, denn die jetzige Arbeitshose hat es im wahrsten Sinne des Wortes zerrissen. 

M. aus Kürten-Weiden

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Das waren sie, die April-News. Diesmal ein Mix aus politisch und persönlich. Wenn es Euch gefallen hat, leitet gerne den Newsletter an Freund*innen, Kolleg*innen und Familie weiter.

Allen wünschen wir einen farbenfrohen Frühling, Entschlusskraft für Veränderungen und genug Resilienz, um die Krisen die uns heimsuchen auszuhalten.

Mit allerbesten klimafreundlichen Grüßen,

Patrick Walraf für die IG Klima Kürten