Newsletter August

Liebe klimainteressierte Leserinnen und Leser,

in innen- und außenpolitisch bewegten Zeiten, in denen viele falsche Informationen kursieren, möchten wir versuchen einen Überblick über Daten und Fakten rund um das Klima und den Fortschritt der notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung zu bekommen. Dies war Thema unseres letzten Zukunftsforums vor den Ferien. 

Zudem haben wir wieder gute Tipps: einerseits einen Hinweis auf eine gute Podcast-Serie der Planetary Health Academy, zum Anderen Buchtipps, die möglicherweise den Blick auf Pflanzen und Flüsse ändern werden. 

Wir wünschen eine erbauliche Lektüre!

Ein Hinweis in eigener Sache: 

Möchtet Ihr/möchten Sie selber aktiv werden und in Kürten mitgestalten im Hinblick auf Themen wie Biodiversität, Nachhaltigkeit, Energie-, Mobilitäts- und Wärmewende? 

Dann meldet Euch gerne unter info(at)klima-kuerten.de oder kommt zu unserem nächsten Plenum am 04. September 2025 um 19:30 Uhr. Wir treffen uns im Dürscheid, Kirchberg 3, im Jugendheim.

Klima? Energiewende? Sind wir noch zu retten?

Stand der Dinge!

Kurz vor den Sommerferien hat Patrick Walraf im Rahmen des Zukunftsforums der IG Klima Kürten einen Überblick über den Stand des Klimawandels und den von der Menschheit eingeleiteten Maßnahmen gewagt. Die Daten und Zahlen sind einerseits ernüchternd, aber es gibt auch leise Hoffnungsschimmer.

Der Klimawandel schreitet voran!

„Im Jahr 2024 lag die Erderwärmung erstmals 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau: Laut einer neuen Studie (des Helmholtz-Instituts) ist das keine Ausnahme, sondern ein langfristiger Trend.“ 

(Quelle: Tagesschau.de)

„Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass wenn ein bestimmtes Temperaturziel überschritten wird, dieses auch im längeren Mittel so ist. Wir kommen nicht mehr darunter. Und in den Klimamodellen konnten wir sehen, dass das auch für 1,5 Grad gilt.“

(Zitat: Zscheischler, Helmolz-Institut)

Nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes ist die durchschnittliche Temperatur in Deutschland bereits um etwa 1,7 Grad gestiegen sind, denn Landflächen erwärmen sich schneller als der globale Durchschnitt. In de Konsequenz müssen wir mit häufigeren und intensiveren Hitzewellen, zunehmenden Starkniederschlägen sowie einem erhöhten Risiko von Dürren und Überschwemmungen rechnen.

(Quellen: Tagesschau.de; Jochen Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie,Hamburg)

Handlungsfenster noch nicht geschlossen

Trotz dieser ernüchternden Erkenntnisse gebe es aber noch Hoffnung: Die Studie zeige, dass bei schnellem Handeln eine Stabilisierung bei 1,5 Grad oder zumindest eine Begrenzung auf zwei Grad möglich ist – ein weiteres wichtiges Ziel des Pariser Klimaabkommens.

Das baldige deutliche Verfehlen des 1,5-Grad-Ziels, so kritisiert Marotzke, werde von der Politik ignoriert, fast ungeachtet der politischen Ausrichtung. „Wir müssen uns nicht nur auf ein härteres Klima einstellen, sondern auch jetzt entschlossen handeln, um eine weitere Verschärfung der Situation zu verhindern.“

Der “Erd-Kühler”

Die Meere haben bereits viel Energie aufgenommen. Die Kapazitäten dieses Systems sind allerdings begrenzt.

Modellrechnungen zu den Folgen in unterschiedlichen Szenarien für 1,5 bis 4,4 Grad Anstieg der mittleren globalen Temperatur gegenüber 1850-1900, benennen einen Anstieg des Meeres-spiegels zwischen 28 und 55 Zenti-metern und für ein Szenario mit sehr hohen Emissionen zwischen 63 und 102 Zentimetern. Gründe sind die thermische Ausdehnung des Meerwassers und das Abschmelzen der Gletscher und der antarktischen und grönländischen Eisschilde.

Notwendige Maßnahmen:

1,5 bis maximal 2 Grad Erwärmung sind anzustreben! Dieses Temperaturlimit ist mit hinlänglich großer Sicherheit nur haltbar, wenn die globalen Treibhausgasemissionen vor 2025 (Also heute!!!) ihren Höhepunkt erreichen und danach schnell und drastisch reduziert werden: → bis 2030 im Vergleich zu 2019 um 43 Prozent → bis 2035 müssen es 60 Prozent werden 

Notwendig sind deutliche Emissionsminderungen nicht nur beim Kohlendioxid, sondern auch bei anderen Treibhausgasen (insbesondere von Methan und Lachgas sowie der fluorierten Verbindungen) und anderer indirekt klimawirksamer Stoffe (zum Beispiel Ruß) .

Neuer Klimabericht Höhepunkt der Emissionen noch nicht erreicht!!!

climatechangetracker.org

Welche Hebel haben wir?

Es gibt klare Antworten, die wir alle kennen! Wir müssen sie jetzt konsequent umsetzen!

→ Transformation des Energiesystems, 

→ Beenden von Subventionen für fossile Brennstoffe, 

→ Emissionsreduktionen im Industrie- und Gebäudesektor, 

→ Schaffung von CO2-Senken durch Grün- und Wasserflächen, 

→ Ausbau der Niedrigemissionstechnologien im Verkehrssektor, 

→ Anpassungsmaßnahmen:  Ausweitung von Grün- und Wasserflächen

in Großstädten zur Reduzierung des Wärmeinseleffekts, 

→ nachhaltiger Waldumbau zur Verringerung von Schäden durch Extremereignisse,

→ Reduzierung des Fleischkonsums,

→ (Carbon Dioxide Removal, CDR) und  (Carbon Capture and 

Storage, ⁠CCS⁠) – technisch herausfordernd und teuer!

(Quelle: Umweltbundesamt)

Erneuerbare Energie ausbauen!

Von allen Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes ist der Ausbau von Photovoltaik und Windenergie der günstigste Weg.

Energieerzeugung in Deutschland

Wir haben zwar aktuell fast 60 % Anteil an Erneuerbaren in unserem Strom-Mix. Der Anteil am Gesamtbrutto-energieverbrauch beträgt  aber nur 22,4 %, über ¾ kommt noch aus fossilen Quellen!!!!!

Es gibt noch viel zu tun!

… und in Europa?

Europa hat im Durchschnitt einen Anteil von ca. 25% Erneuerbare am Bruttoenergieverbrauch. Die skandinavischen Länder sind vorne, mit über 50 %. Deutschland, der ursprüngliche Energiewende-Vorreiter, kommt nur noch auf Platz 18 (Quelle: statista.de). Politische Entscheidungen früherer Regierungen haben uns also weiter in der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern gehalten, anstatt mit Ingenieuerskunst neue Technologien zu fördern. Aktuell besteht Sorge, dass die Bundesregierung wieder dieselben Fehler macht. Der Einfluss der fossilen Lobby ist noch groß. Hierzu noch einmal die Buchempfehlung: Christian Stöcker: “Männer, die die Welt verbrennen”.

… und weltweit?

Weltweit fand ein Zubau von 585 Gigawatt an erneuerbaren Energien im Jahr 2024 statt. Das sind mehr als 90 Prozent des gesamten weltweiten Stromausbaus mit einer 

Rekordwachstumsrate von 15,1 %. Das bedeutet, dass nur noch 10 % an fossilen Erzeugungskapazitäten zugebaut wurden.

Dennoch nicht genug um das Ziel einer Verdreifachung der installierten Leistung erneuerbarer Energien bis 2030 zu erreichen. Der jährliche Kapazitätszuwachs erneuerbarer Energien müsse sich deshalb bis 2030 um weitere 16,6 Prozent pro Jahr erhöhen. Im Übrigen sind Asien und China weit vorne. 

(Quellen: IRENA und erneuerbareenergien.de)

Übrigens: Das Argument, das China erst einmal anfangen soll, bevor wir etwas tun, zieht nicht mehr. Wir sollten außerdem bedenken, dass China aktuell die Werkbank der Welt ist.

Reicht Solarboom für die 1,5-Grad-Grenze?

Forscher haben ausgerechnet, wie die Erde komplett mit erneuerbaren Energien günstig versorgt werden könnte. Dabei spielt vor allem Solarkraft eine Schlüsselrolle.

Hierzu eine Studie vom Wissenschaftsmagazin ScienceDirect :

-> es sind Solarmodule mit einer installierten Leistung von 104.000 Gigawatt weltweit nötig, 50-mal mehr als derzeit installiert. Der Umbau bis 2050  ist machbar, sogar deutlich früher, wenn der Solarausbau schneller vorangetrieben wird.

Quelle: Dw

Tim Meyer stellt in seinem Buch “Strom” dar, wie steil die Dynamik der Zuwachses der Erneuerbaren (Gelbe Kurve) ist. Er spricht dabei von der 5. Energierevolution.  

Versuch eines Fazits

Der Klimawandel schreitet voran, die Folgen werden immer spürbarer. Wir können die Klimaerwärmung auf 1,5 bis 2 Grad begrenzen, wenn wir entschlossen handeln und insbesondere unseren gesamten Energieverbrauch rasch defossilisieren. Wir können uns keine Verzögerung mehr leisten. Große und bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien bauen mit einem ernormen Tempo erneuerbare Energien aus, denn diese sind gleichzeitig viel günstiger als fossile Energien. Realistisch gesehen entscheidet die Wirtschaftlichkeit.

Im Augenblick wehrt sich die fossile Energiewelt noch, da sie ihr Geschäftsmodell bedroht sieht. Exemplarisch steht das “Drill baby, drill” von Donald Trump für diese Abwehr. Bei allen technologischen Revolutionen konnte dies beobachtet werden, z. B. beim Übergang von der Kutsche zum Automobil, bei der Einführung der Eisenbahn.

Wo wollen wir uns einordnen? Bauen wir weiter auf eine fossile Energieerzeugung mit all ihren politischen Risiken? Oder wenden wir uns dem Ausbau eines Systems der Erneuerbaren zu und sichern unsere Zukunft und die unserer Kinder?

Wir brauchen dringend Entschlossenheit in der Dekarbonisierung der Bereiche Energie, Verkehr und Wärme, damit es uns nicht so geht wie auf folgendem Bild:

Bildquelle: Tonpool.de

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Und nun unsere Empfehlungen!!!

Zukunft gestalten – Der Podcast über Planetary Health

Etwas für die Ohren, zu Hause auf dem Sofa, bei der Hausarbeit, unterwegs… Hier eine Empfehlung eines Podcast, besetzt mit hochkarätigen Expert*innen.

“Was verbirgt sich hinter Planetary Health? 

Auf welche Weise hängen Klima, Umwelt und Gesundheit zusammen? 

Wie überwinden wir Überforderung, Verdrängung und Lähmung? 

Und was hilft uns, gemeinsam zu handeln?”

(Quelle: Planetary Health Academy)

Den Podcast könnt Ihr in jeder Podcast App finden. Wir wünschen einen anregenden Hörgenuss.

Buchtipps von den Akteuren der

Hier einige inspirierende Bücher die einen anderen Blick auf die Natur richten.

#1 The Light Eaters

Zoë Schlangers Problem kennen wir nur zu gut: Als Wissenschaftsjournalistin, die sich mit der Klimakrise beschäftigt, war sie ständig mit apokalyptischen Nachrichten konfrontiert. Irgendwann hatte sie genug von dem Fokus auf die negativen Folgen. Sie machte sich auf die Suche nach etwas Schönem und begann, in ihren Mittagspausen ein Paper nach dem anderen über Pflanzen zu lesen.

In The Light Eaters (auf Deutsch: Die Lichtwandler) geht sie der Frage nach, ob Pflanzen intelligent sind und ein Bewusstsein haben. Lange wurden solche Überlegungen in das Reich der Esoterik verbannt, inzwischen gibt es dazu immer mehr Studien. Schlanger schreibt, dass in der Wissenschafts-Community eine regelrechte Fehde zwischen verschiedenen Lagern aufgeflammt sei, die sie in ihren Mittagspausen fasziniert verfolgte. 

Auf der einen Seite Vertreter*innen des bisherigen Paradigmas, in dem mögliche Intelligenz und Bewusstsein von Pflanzen keinen Platz haben. Auf der anderen eine junge Generation von Forscher*innen, die sich traut, dieses Paradigma zu hinterfragen. 

Gerade findet laut Schlanger ein Übergang statt. Viele Wissenschaftler*innen verfolgen inzwischen ernsthaft den Gedanken, dass Pflanzen intelligente Lebewesen seien, die Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen. Wenn Du dieses Buch noch nicht kennst: für uns ein wahrer Augenöffner, durch den man Pflanzen auf einmal ganz anders wahrnimmt.

#2 Is A River Alive?

Pflanzen sollen intelligent sein – und Flüsse lebendig?! Das klingt erstmal nach einem soliden Setting für einen Fantasy-Roman. Nur das Is A River Alive? (auf Deutsch: Sind Flüsse Lebewesen?) in der Realität spielt – und nicht ausgedacht ist. Das britische „Nature Writing“-Urgestein Robert MacFarlane liefert mit seinem neuen Buch besten Stoff, um unsere Weltsicht im Kopf umzukrempeln. 

In Is A River Alive? argumentiert MacFarlane, dass wir Flüsse nicht als bloße Materie und als Ressource für uns Menschen betrachten sollten. Was, wenn wir Flüsse stattdessen als lebendige Wesen ansehen? Und zwar nicht nur in unseren Köpfen, sondern auch im Rechtssystem. Was das genau bedeutet, zeigt MacFarlane, indem er uns auf drei Reisen mitnimmt: in den Norden Ecuadors, nach Südindien und in den Osten Kanadas, wo überall Menschen für das Überleben von Flüssen kämpfen.

(Quelle: https://steady.page/de/treibhauspost/posts/1b73cbdc-2a02-4e91-86bf-e19d9ab123eb)

Unser Tipp:

#3 „Strom“ von Tim Meyer

“Der Energiesektor steckt inmitten einer industriellen Revolution. So, wie die Dampfmaschine die Pferdekraft verdrängt hat, das Auto die Kutsche oder das Smartphone das klassische Mobiltelefon, stellen heute erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Elektroautos weltweit die Märkte auf den Kopf. Aber warum findet dieser Umbruch statt – und wird er erfolgreich sein? 

»STROM« erklärt die Zusammenhänge unter der Oberfläche: warum industrielle Massenfertigung von »Clean Tech« das Alte überrollt, was China damit zu tun hat, vor welchen Herausforderungen für Markt und Netze wir in Deutschland stehen und warum zu ihrer Bewältigung auch ein Kultur-Update erforderlich ist.

Der breite Blick auf industrielle, energiewirtschaftliche und gesellschaftliche Logiken vergangener und aktueller Fortschritte liefert eine überraschend positive Aussicht: Der Markt ist unser stärkster Verbündeter und hat längst den Durchbruch für eine klimaneutrale Energiezukunft geschaffen. Doch wollen wir im internationalen Wettbewerb noch »vor die Welle« kommen, müssen wir diese Chance endlich ergreifen: für unsere Wirtschaft und fürs Klima.”

(Quelle: https://www.strom-das-buch.de/)

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So, das war es mal wieder aus der Welt des Klimas. Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern einen erfüllten Spätsommer.

Bis bald!

Patrick Walraf (Sprecher IG Klima Kürten)