Resümee Stammtisch Balkonkraftwerke

Beim zweiten Stammtisch der IG Klima Kürten ging es um Mini-Solaranlagen für den privaten Gebrauch. „Balkonkraftwerke – (fast) jeder kann Energiewende“ lautete der Titel des Kurzvortrags, den der Sprecher der IG Klima, Patrick Walraf, hielt. In der Gaststätte zu Alten Ulme in Kürten fand danach ein geselliger und informativer Austausch mit einem Dutzend Interessierter statt. Es ging um Kosten, gesetzliche Grundlagen und praktische Aspekte des Aufbaus einer solchen Anlage.

Ein Balkonkraftwerk besteht aus wenigen Komponenten: in der Regel aus zwei bis maximal vier Modulen und dem Wechselrichter. Die Module erzeugen den Strom. Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom in Wechselstrom um, der dann direkt in das Hausnetz eingespeist  werden kann. Balkonkraftwerke werden – wie der Name andeutet – an Balkonen installiert. Es gibt aber viele weitere Installationsmöglichkeiten, zum Beispiel an einem Carport, auf einer Dachfläche, an der Hausfassade oder als Zaun.

Ein Balkonkraftwerk kann ein Gutteil der sogenannten Grundlast eines Haushaltes abdecken. So ergeben sich Ersparnisse beim Stromkauf von bis zu 130,- € jährlich, was ca. 20 % der Stromkosten ausmachen kann.

Laut der aktuellen Recherche von Patrick Walraf haben sich die Preise für Mini-Solaranlagen in kurzer Zeit fast halbiert. Zudem gibt es aktuell noch einen Fördertopf des Rheinisch Bergischen Kreises mit 200,- € je Balkonkraftwerk und Haushalt. Hier gilt es schnell zuzugreifen, solange der Topf noch nicht leer ist. Bedingt durch die gesunkenen Preise und die attraktive Förderung hat sich die Anschaffung nach ungefähr 3 bis 4 Jahren amortisiert. Danach erzeugt das Balkonkraftwerk für viele Jahre kostenlos Strom.

Neben der Kostenersparnis stellt die Installation eines Balkonkraftwerks einen aktiven Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz dar. Energieerzeugung in Bürgerhand wird im eigenen Haushalt möglich.

Am 12. Mai 2024 passierte endlich das „Solarpaket 1“ alle politischen Gremien und wurde verabschiedet. Dieses Paket enthält eine Reihe von Neuregelungen im Hinblick auf den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Eine Reihe von Vereinfachungen betreffen die Regelungen zu Balkonkraftwerken: So steigt die erlaubte Maximalleistung von 600 auf 800 Watt/Peak. Das Balkonkraft muss nur noch bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden, was online problemlos funktioniert.

Rückwärts laufende Zähler sind erlaubt! Was bedeutet das? Wer noch einen alten Drehscheiben- oder Ferraris-Zähler hat, kann sein Balkonkraftwerk betreiben, auch wenn der Zähler rückwärts läuft. Der Netzbetreiber ist nämlich laut neuer Gesetzgebung in der Pflicht, innerhalb von vier Monaten den Zähler auszutauschen. Bis dahin darf der Zähler sich „falsch herum“ drehen.

Einige weitere Infos und Tipps hatte Patrick Walraf parat: Aktuell sei eine Gesetzesänderung des Wohneigentumsgesetzes (WEG) in der politischen Beratung, welche die Aufnahme von Balkonkraftwerken als „privilegierte Maßnahme“ vorsieht. Konkret bedeute dies, dass Mieter ein Anrecht auf die Anbringung eines Balkonkraftwerks haben und der Hauseigentümer dies nicht mehr ablehnen kann. Allerdings habe der Eigentümer hinsichtlich gestalterischer Fragen ein Mitspracherecht.

Patrick Walraf empfahl gut zu planen: Ist der geplante Standort geeignet? Hierbei ist die Ausrichtung zu prüfen. Optimal ist die Ausrichtung nach Süden oder eine Ost-West-Ausrichtung. Weiter ist zu überprüfen, ob genügend Fläche für die Module vorhanden ist und diese sicher befestigt werden können. Immerhin wiegt ein einzelnes Modul 21 KG. Zudem muss eine geeignete Steckdose in der Nähe vorhanden sein.

Das Fazit des Stammtisches lautete bei all den neuen guten Nachrichten:  Balkonkraftwerke lohnen sich für den eigenen Geldbeutel. Sie sind überdies ein wertvoller Beitrag zur Energiewende und zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks. Der Gesetzgeber hat für gesetzliche Verbesserungen und Vereinfachungen gesorgt.

Die IG Klima Kürten plant  bereits den nächsten Stammtisch. Dieser findet am 27. Juni in der Gaststätte zur Alten Ulme statt. Das Thema lautet: „1,5 Liter Verbrauch – wie geht das?“ Wie fährt das Auto der Zukunft? Elektrisch? Mit Wasserstoff? Mit E-Fuels? Neugierige sind herzlich eingeladen.