Resümee ersten Stammtisch der IG Klima Kürten „Blümchen für alle“

Am Donnerstag den 25.04.2024 fand der erste Stammtisch der IG Klima Kürten in der Gaststätte zur Alten Ulme in Kürten statt. Ein Dutzend Interessierte hatten sich zum Motto „Blümchen für alle“ zusammengefunden. Carola Hoppen vom NaturGarten e. V. stand Rede und Antwort. Die Anwesenden ergänzten mit Erfahrungsberichten und sachkundigen Informationen. Insbesondere der schon seit den 1970er Jahren forschende Kürtener Bürger Ralf Dalheuser hatte Spannendes zu berichten, so dass am Ende des Abends Jede und Jeder Anregungen für das eigene Haus, den eigenen Garten mit nach Hause nehmen konnte.

Die Bedeutung nicht versiegelter und standortgerecht begrünter Flächen wurde ebenso hervorgehoben, wie die Möglichkeit von Fassaden- und Dachbegrünung zur Wärmeregulierung. Carola Hoppen erzählte vom großen Platz vor der Wallfahrtskathedrale in Santiago de Compostela, bei dem während Corona-Lockdowns das Kraut in den Fugen der Steine sprießen konnte. Temperaturmessungen ergaben eine extreme Absenkung der Temperatur auf der Platzfläche: Statt 60 Grad heiß waren in der Spanischen Hitze die Steine nur noch 32 Grad warm. Fugen-„Unkraut“ gegen Hitzestress! Sollten wir es vielleicht entspannter wachsen lassen oder sogar gezielt ansiedeln? Verwendet man Sand-Thymian zur Begrünung der Fugen, duftet im Sommer jeder Schritt nach Urlaub.

Ein weiteres Themenfeld, dass die Teilnehmer bewegte, war der Schwund der Insekten- und Artenvielfalt. Auch im Rheinisch Bergischen konnte nach den Erhebungen von Ralf Dalheuser ein Rückgang um rund 70 % der Biomasse und 50 % der Arten festgestellt werden. Gründe hierfür sind der Rückgang der Lebensräume für Insekten, die Überdüngung von Flächen und der Einsatz von Pestiziden. Früher verbreitete Randstreifen an Feldern und Wegen werden ständig abgemäht, was den Insekten den Lebensraum nimmt. Der Artenschwund ist für uns Menschen mindestens genauso bedrohlich wie die Klimakrise, die ihn noch befeuert. Jede Art ist wie ein Knoten im Netz unseres Ökosystems, in dem wir leben können. Wie viele Knoten können wir durchschneiden? Insekten sind die heimliche Müllabfuhr, Kompost-Aufbereiter, Gesundheitspolizei, Schädlingsregulierer, Fruchtproduzenten und vor allem auch Nahrung, zum Beispiel unsere Singvögel.

Was können wir Bürger in dem uns anvertrauten Umfeld tun? Carola Hoppen zählte viele wichtige Punkte auf:

  • Die Ansprüche an „Sauberkeit“ auf den eigenen Flächen überprüfen. Muss jeder Halm herausgezupft werden? Oder kann ich meine Lebenszeit besser verbringen? Muss die Fläche zur Vermeidung von Unfällen gereinigt werden oder kann, wie oben erwähnt, mit mehr Toleranz die Hitzeentwicklung im Sommer günstig beeinflusst werden?
  • Keine Grünbelagsentferner oder Essig für Steinflächen verwenden, da die Säure problematisch ist und Mikroorganismen und Kleinstlebewesen tötet. In diesem Fall ist der Hochdruckreiniger mit reinem Wasser schonender.
  • Überprüfen was alles begrünt werden kann: der Carport, die Fassade, das Dach? Letzteres ist im Übrigen im Kombination mit der Installation einer Photovoltaik-Anlage möglich. Die Efffizienz der Photovoltaik im Sommer wird zudem durch den abkühlenden Effekt der Begrünung erhöht.
  • Keine chemisch-synthetischen Dünger – zum Beispiel für den Rasen – verwenden. Dieser darf vermoosen. Wer kennt nicht das wunderbare Gefühl barfuß über Moos zu laufen?
  • Die Biodiversität im eigenen Garten kann zudem durch die Teilnahme an der Aktion „Mähfreier Mai“ gefördert werden. Die ursprünglich aus England stammende Idee hat viele Vorteile: Längeres Gras ist widerstandsfähiger und übersteht besser die folgenden trockenen Wochen, er speichert mehr Feuchtigkeit, der Rasen muss weniger gesprengt werden. Das blühende Grün wird zum Paradies für Insekten.
  • Viele Hobbygärtner*innen entfernen abgestorbene Blüten und Pflanzen, die aber für die Tierwelt als Kinderstube oder Nistplatz interessant sind. Also auch hier gilt: Weniger den Garten bearbeiten, ist ein Gewinn. Übrigens: Wovon ernähren sich Schmetterlingsraupen? Nicht so sehr die Blüten sind interessant, sondern grünes Blattwerk, das wir stehen natürlich lassen.
  • Auch sogenannte Magerwiesen sind für unsere Region typische Lebensräume gewesen, in denen die heimische Pflanzen- und Tierwelt enorm vielfältig vertreten war. Durch Überdüngung sind solche Wiesen stark zurückgegangen. Wenn die eigene Grundstücksgröße es erlaubt, können ältere Rasenflächen lediglich zweimal Mal im Jahr gemäht werden, das Mähgut sollte abgetragen werden und so entsteht im Laufe der Zeit ein Stück etwas magerer Wiese, in der es schön summt und brummt.
  • Die Anlage von Blühinseln im eigenen Garten stellt einen weiteren Schritt dar, Insekten Lebensraum zu bieten. Heimische Wildblumenmischungen sind unbedingt zu bevorzugen. Im Laufe der Evolution haben sich Pflanzen- und Tierwelt aufeinander eingestimmt, viele Insekten haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Mit Pflanzen, die nicht in Mitteleuropa heimisch sind, kann die Mehrheit unserer Tiere nicht anfangen. Pflanzen anderer Kontinente können sogar sehr problematisch sein: Denken wir an nur an den durch Pflanzen aus Asien eingeschleppten Buchsbaumzünsler oder aus Ostasien eingeschleppten Pilz, der für die schwere Baumkrankheit an unseren Eschen verantwortlich ist. Daher sind alle nicht europäischen Baumarten mit größter Skepsis zu betrachten.
  • Ein weiteres Tabu betrifft torfhaltige Blumenerde. Immer noch werden in Europa Torfmoore für unser Gartenhobby abgebaut und zerstört. Moore sind CO2-Speicher und ihre Erhaltung ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Baumärkte und Pflanzenzentren bieten torffreie Produkte an. Bei der AVEA, unserem regionalen Entsorger, kann zudem kostengünstig Bergische Blumenerde erworben werden, ein vollwertiges Pflanzensubstrat aus Naturprodukten.

Unterm dem Strich ist weniger Gartenarbeit mehr. Wenn wir uns ein wenig von der Idee eines aufgeräumten und leider auch leblosen Gartens verabschieden, gewinnt die Natur und wir Lebenszeit. Diese können wir dann im Sommer mit einem kühlen Drink im Garten genießen und dem Summen, Brummen und Zwitschern lauschen. Übrigens: Spendieren wir doch auch Vögeln und Insekten einen Drink. Vogel- und Insektentränken helfen in der heißen Jahreszeit: für Vögel Trinkschalen in luftiger Höhe, für Insekten und Kleinsäuger flache, mit Steinen, Holz oder Moosen befüllte Wasserschalen auf dem Boden. Und wenn wir schon dabei sind: Wir haben unser Haus. Im Fachhandel finden wir Nistkästen für verschiedene Vogelarten und auch Fledermäuse, so haben nicht nur wir ein Zuhause.

Weitere Information zur Förderung der Artenvielfalt bietet der NaturGarten e. V.

Beim nächsten IG-Klima-Stammtisch am  23. Mai um 19:30 Uhr geht es unter dem Titel „Wie werde ich Balkonsolarist?“ um die Möglichkeit der kleinen privaten Energiewende. Das Treffen ist wieder in der Gaststätte zur Alten Ulme.