iebe Leser*innen,
Dieser Oktober-Newsletter möchte zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Es geht um das Thema Energie, eine Angelegenheit die uns alle in unserem Alltagsleben essentiell betrifft. Wir möchten zudem hinweisen auf die aktuell laufende Sprayaktion zu Müll im öffentlichen Raum und auf unsere kommende Teilnahme am Tag des offenen Heizungskellers. Wir hatten zudem Gelegenheit ein spannendes Interview mit Michael Müller zum Thema Streuobstwiesen zu führen.
Wie stets wünschen wir Ihnen/Euch ein anregende Lektüre.

„Gemeinsam mit German Zero und Local Zero, sowie C02online, Stadt.Land.Klima und For Future Bündnis machen wir sichtbar: Die Wärmewende ist machbar!
Ob im Altbau, Neubau oder sanierten Bestand: Wärmepumpen funktionieren zuverlässig, effizient und klimafreundlich.”
Quelle: https://greenwire.greenpeace.de
Auch wir, die IG Klima, möchten an dieser Aktion teilnehmen. Wir haben im Umfeld unserer Interessengemeinschaft eine Kürtener Familie gefunden, die bereit ist, ihren Heizungskeller zu öffnen. Das Spannende: diese Familie hat die Energiewende bereits vollzogen, sie besitzt eine Photovoltaik auf dem Dach mit Batteriespeicher, in der Garage steht ein E-Auto und im Keller bzw. draußen arbeitet die Wärmepumpe.
Vorab wird Patrick Walraf, Sprecher der IG Klima Kürten, einen kurzen Vortrag mit neuesten Informationen zum Thema bringen. Dann werden die Besitzer ihre Erfahrungen und Zahlen und Daten teilen.
Der Termin: 15. November, 15:00 Uhr (Dauer ca. 2 Stunden)
Interessiert?
Es gibt eine begrenzte Anzahl von Plätzen (maximal 15), also ist eine Anmeldung erforderlich. Diese ist möglich unter: info@klima-kuerten.de. Die Teilnahme ist kostenlos.
Nach Eingang der Anmeldungen, geben wir die Adresse bekannt.
Falls das Interesse größer ist als die Anzahl der Plätze und Sie nicht teilnehmen können: wir planen bereits im ersten Halbjahr 2026 eine weitere Veranstaltung und werden eine Warteliste anlegen.
Der Kampf um Energie
“Die Welt kommt beim Klimaschutz nicht genug voran … Kein Bereich sei derzeit auf Kurs, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.”
“Im weltweiten Kampf gegen die Erderwärmung passiert zu wenig – zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Denkfabriken Climate Analytics und World Resources Institute (WRI).”
„Alle Systeme blinken rot“, sagte Clea Schumer vom WRI, eine der Leitautorinnen des neuen Berichts „State of Climate Action 2025“. „Es bleibt einfach keine Zeit mehr für Zögern oder halbe Sachen.“
“Eine unserer größten Sorgen ist, dass der Ausstieg aus der Kohle vom Kurs abgewichen ist“, sagte Schumer. Es habe sogar einen Rekord bei der Kohleverbrennung gegeben. Ein Grund sei die hohe Nachfrage von Strom.”
“Und: Die Abholzung der Wälder, die klimaschädliche Treibhausgase aufnehmen, nehme wieder zu.”
Quelle: tagesschau.de
Heute möchte ich diese Meldung zum Anlass nehmen mit Euch/Ihnen meine Gedanken teilen. Es wird also um eine gute Portion persönlicher Einschätzung unserer Lage gehen. Ich freue mich über den Austausch mit Euch/Ihnen und Ihre/Eure Resonanzen (gerne an info@klima-kuerten.de).
Energie ist für unser menschliches Leben eine sehr wichtige Grundlage und auch Währung. Die Entdeckung des Feuers ermöglichte in den frühen Jahren der Menschheit Entwicklung. Das hat sich seitdem nicht geändert. Wir sind in allen Bereichen auf Energie angewiesen. Sei es zur Erzeugung von Lebensmitteln, von Gütern des täglichen Lebens, zur Bereitstellung von Wärme, zur Sicherstellung von Mobilität und bei der Nutzung von Informationstechnologien. Bislang benötigen alle diese Bereiche überwiegend fossile Energien (also Kohle, Öl und Gas). Lediglich gut 20 Prozent unserer gesamten Energiebedarfs werden aktuell in Deutschland und im Schnitt weltweit durch Erneuerbare abgedeckt (Wind, Sonne, Biogas, Wasser).
Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass wir eine radikale Abkehr von fossilen Energiequellen vollziehen müssen um den Klimawandel abzubremsen. Erneuerbare sollen fossile Energien ersetzen. Es besteht kein Zweifel mehr, dass dies technisch möglich ist. Erneuerbare Energien können kombiniert werden mit Kurzfristspeicher- (Batterien) und Langzeitspeicherlösungen, zum Beispiel Wasserstoff und Biogas. So kann die Energieversorgung der Menschheit klimaneutral werden. Der aktuelle weltweite Zubau an Photovoltaik-Kapazitäten ist beeindruckend, es gibt viele Meldungen, dass der Zubau dieser Anlagen und auch deren Strom-Produktion den fossilen Energieträger Kohle überholt haben. Dieser beeindruckende Zuwachs hat mit dem drastischen Preisverfall der Erneuerbaren zu tun, insbesondere in den Bereichen Photovoltaik und Batterietechnik.
Also ist doch alles klar. Alles „easy“. Wir können uns zurücklehnen und zuschauen, wie die Erneuerbaren die Fossilen verdrängen.
Leider nein!
Der Kohleverbrauch steigt weiter an (siehe Studie weiter oben)
Donald Trump kritisiert bei jeder Gelegenheit die Windkraft und versucht Projekte zu stoppen.
Wirtschaftsministerin Frau Reiche spricht von der Notwendigkeit, eine hohe Anzahl neuer Gaskraftwerke zu bauen um angeblich die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Frau Reiche will die Einspeisevergütung für Photovoltaik-Strom im privaten Bereich abschaffen.
In einigen Medien wurde die Wärmepumpe bzw. das „Heizungsgesetz“ schlecht geredet, wobei Wärmepumpen doch seit vielen Jahren sogar in den klimatisch kälteren skandinavischen Ländern gute Dienste leisten!?
Bundeskanzler Merz spricht beharrlich davon, dass er sich dafür einsetzen wird, das für 2035 geplante „Verbrenner-Verbot“ abzuschaffen. Hierbei sei bemerkt, dass nach 2035 immer noch gebrauchte Verbrenner-Fahrzeuge gefahren und verkauft werden dürfen und auch neue Verbrenner, wenn sie keine fossilen Treibstoffe sondern zum Beispiel CO2-neutrale E-Fuels tanken. Faktisch gibt es also kein Verbrenner-Verbot. Es gibt lediglich ein Problem der ausreichenden Versorgung mit E-Fuels und mit ihrem schlechten Wirkungsgrad (siehe folgende Graphik von Volker Quaschning).

Was sollen diese faktisch, wissenschaftlich und empirisch falschen Aussagen? Sind diese Politiker*innen uninformiert oder dumm? Ich denke nein! Nach meiner Einschätzung sind es taktische Aussagen, die Verunsicherung erzeugen sollen im Hinblick auf die stattfindende Energierevolution, um das alte Geschäftsmodell so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Diese Einschätzung bestätigen Autoren wie Tim Meyer („Strom“) oder Christian Stöcker („Männer, die die Welt verbrennen“) sowie unabhängige Recherchekollektive, wie etwa der „Volksverpetzer“ und „Correctiv“.
Vergegenwärtigen wir uns doch erst einmal, dass wir als deutsche Verbraucher*innen in der alten fossilen Welt abhängig waren von Gasversorgern und Mineralöl-Unternehmen, in der Regel zu Hundert Prozent, da wir alle keine Gasquelle oder einen Benzinbaum im Garten hatten. Wir hatten nicht die Wahl. Wenn wir heizen oder uns fortbewegen wollten, mussten wir etwas verbrennen. Das bedeutete sehr hohe Profite für die fossile Branche. Laut der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) importiert Deutschland aktuell jährlich fossile Energien im Wert von 81 Milliarden Euro. Weltweit ist die fossile Industrie eine Branche, in der immer noch sehr viel investiert wird und die sehr hohe Gewinne abwirft. Im Jahr 2022 erwirtschaftete die fossile Wirtschaft 4 Billionen Dollar Gewinn (Quelle: DW). Zum Vergleich: der Staatshaushalt der BRD betrugt im selben Jahr 486 Millionen. Die weltweiten direkten und indirekten Subventionen für fossile Energie betragen im Übrigen 5,7 Billionen US-Dollar (Quelle: IWF)! Eine unfassbar hohe Summe wird also in erwiesen klimaschädliche Energieerzeugung gepumpt um die hohen Gewinne von Konzernen zu sichern.
Dieses Wirtschaftsmodell, das eklatante Fehlanreize setzt, ist langfristig nicht haltbar, wenn wir die Klimaziele nicht verfehlen wollen.
Was passiert aber nun, wenn Bürger*innen in großem Maßstab beginnen ihren Strom mit Photovoltaik-Anlagen und Balkonkraftwerken selber zu erzeugen?
Was passiert wenn diese Bürger*innen anfangen mit diesem Strom ihr Auto zu laden, ihre Wärmepumpen zu betreiben?
Was ist wenn Bürger*innen in Bürgerwindparks investieren?
An dieser Stelle ein Erfahrungsbericht: ich betreibe seit 2020 eine PV-Anlage (8,9 kWp) mit Speicher (7,7 kWh) auf meinem Hausdach. Seitdem gelingt es mir, ca. die Hälfte meines Strombedarfs selber zu erzeugen, inklusive des Stroms für mein E-Auto. Ich decke mit meiner Anlage die Hälfte des Jahresbedarfs an Fahrstrom für meine Pendelstrecke von ca. 80 Kilometern (4 Mal/Woche) und zahle bei 14 Cent Gestehungskosten (die Investition der PV-Anlage über 20 Jahre gerechnet) und einem Verbrauch von 20 kWh/100 km mit Ladeverlusten gerade einmal 2,80 € für 100 km! Ein Verlustgeschäft für Ölunternehmen, deren Tankstellen ich seit Jahren nur gelegentlich besuche, um mir einen Kaffee zu holen. Den restlichen Strom den ich benötige, beziehe ich über einen dynamischen Stromtarif. Dieser hat besonders niedrige Preise wenn viel Erneuerbare produzieren werden und hohe Preise, wenn Gaskraftwerke aus Mangel an Erneuerbaren angeschmissen werden müssen. Dreimal darf der Leser, die Leserin raten, wann ich mein Auto lade…
Ich verhalte mich also hochgradig geschäftsschädigend –für die fossile Industrie. Was passiert, wenn viele Bürger*innen dies tun, in Deutschland und in der Welt?
Hierzu ein weiteres Beispiel. Im sonnenreichen Staat Kalifornien gab es das Problem, dass tagsüber sehr viel Solarstrom zur Verfügung stand und abends, nach Sonnenuntergang, teure Gaskraftwerke angeschaltet werden mussten. Die Lösung: Es wurden Batterie-Großspeicher aufgebaut. Diese speichern den tagsüber produzierten Solarstrom und speisen ihn dann abends zurück ins Netz. Dies hat zu einem signifikant geringeren Gasverbrauch geführt, da früher Gaskraftwerke die abendliche Energieversorgung sichern mussten. Solar- und Windkraftwerke müssen nicht mehr abgeregelt werden. Kalifornien geht also einen anderen Weg wie unsere Wirtschaftsministerin Frau Reiche … und er funktioniert (Quelle:Gesi-Deutschland.de).
Noch ein Beispiel? Die Erneuerbaren sind billiger. Diese Erkenntnis hat sich selbst im Ölstaat Texas durchgesetzt, in dem viele Windräder stehen. Ich bezweifle, dass es allen texanischen Landbesitzern dabei um Klimaschutz geht.
Ohne es zu bemerken, befinden wir uns in einem wirtschaftlichen Krieg: auf der einen Seite die boomenden Erneuerbaren Energien, die zum Teil in Form einer dezentralen Bürgerenergiewende wachsen. Auf der anderen Seite große mächtige Konzerne, die bisher durch den Verkauf von Öl, Gas und Kohle unfassbar große Gewinne gemacht haben. Verständlich, dass diese Konzerne alles tun, um ihr Geschäftsmodell zu erhalten. Die Tabak-Industrie hat dies damals auch gemacht, als wissenschaftlich erwiesen war, dass Rauchen Lungenkrebs erzeugen kann. Eine PR-Agentur wurde beauftragt, um Schaden für das eigene Geschäftsmodell zu vermeiden und nicht um Schaden von den Konsumenten abzuwenden! Was macht die Erdöllobby nun? Ergibt sie sich ihrem Niedergang? Nein, sie kämpft mit allen Mitteln, sät Zweifel, schürt Ängste und nutzt ihren Einfluss auf die Politik (für Details siehe hierzu das Buch „Männer, die die Welt verbrennen“ von Christian Stöcker). Interessanterweise nutzt aktuell die Ölindustrie dieselbe PR-Agentur wie die Tabak-Industrie, nämlich Hill & Knowlton (Quelle: Dr. Whatson, YouTube). Bekannte Strategien sind dabei Relativieren, Zweifel säen, Strohmann-Argumente verwenden, wie zum Beispiel Friedrich Merz, der die Kernfusion fördern möchte um die „hässlichen Windräder“ abzureißen oder das Kippen des faktisch nicht existierenden Verbrenner-Verbots. In diesem Zusammenhang werden E-Fuels und HVO-100 propagiert. Dies verfolgt den Zweck, dass Max und Maria Mustermann auf eben diese Fata Morganas warten und bis dahin Öl und Gas verbrauchen, da E-Autos ja nicht funktionieren. Warum Fata Morgana? Hier noch einmal der Verweis auf die Graphik zur Energie-Effizienz der Antriebe weiter oben im Artikel.
Mit dem Ausbau und der Nutzung der Erneuerbaren kratzen wir an der Macht von Konzernen und zudem auch Politikern wie Trump, Putin und anderen Autokraten. Das Geschäft mit fossilen Energien hingegen garantiert ihnen Macht und bringt uns in Abhängigkeiten. Christian Lindner sprach nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine von „Freiheitsenergien“, die es gelte auszubauen. Da konnte ich ihm ausnahmsweise mal zustimmen.
Wir leben in einer Energierevolution, die Erneuerbaren und ihre effiziente Verwendung in der Mobilität und bei der Wärmeversorgung sind nicht aufzuhalten. Letztlich können die Erneuerbaren im wahrsten Sinne demokratische Energien sein, denn wir können mitproduzieren, mitgestalten, mitentscheiden.
Dennoch wird die fossile Industrie alles versuchen, diese Entwicklung zu bremsen und weiterhin einem lebenswerten Klima aus Profitgründen zu schaden. Die Energiekonzerne werden zudem alles tun, um die Energie in Bürgerhand klein zu halten. Für mich ist es kein Zufall, dass Katherina Reiche vor ihrem Antritt als Ministerin für Wirtschaft und Energie Vorsitzende der Geschäftsführung beider EON-Tochter Westenergie war. Wie bereits erwähnt schlägt Katherina Reiche den Bau einer laut Experten zu hohen Zahl von Gaskraftwerken vor. Zudem möchte sie die Einspeisevergütung für neue Dach-PV-Anlagen abschaffen und somit die Bürgerenergiewende wirtschaftlich unattraktiver machen.
Was tun?
Wir werden noch harte Kämpfe erleben, in denen es um Macht, Geld und Einfluss gehen wird. Wir können alle unseren Teil tun, indem wir unserem Energiebedarf (Mobilität, Wärme) defossilisieren, Photovolaik-Anlagen und Balkonkraftwerke bauen, kleine Energieversorger bevorzugen, dynamische Strompreise nutzen und uns an Bürgerenergie-Windparks und Solaranlagen beteiligen.
Packen wir´s an!
(Patrick Walraf, Sprecher IG Klima Kürten)

Die Bergischen Obstwiesen – ein Plädoyer –
Der folgende Beitrag behandelt die dringende Notwendigkeit, traditionelle Streuobstwiesen im Rheinisch-Bergischen Kreis zu erhalten, zu pflegen und ihre Früchte regional zu nutzen, um den Klimawandel zu bekämpfen, die Biodiversität zu fördern und eine nachhaltige, klimafreundliche regionale Lebensmittelversorgung aufzubauen.
Michael Müller von der BUND-Kreisgruppe des Rheinisch Bergischen Kreises stand hierzu in einem sehr anregenden Gespräch Rede und Antwort.
Zur Person sowie zu Hintergrund und Motivation:
Michael Müller, 58 Jahre, Mitglied der Grünen, ist seit seinem 20. Lebensjahr in der Umweltbewegung aktiv, beginnend mit Themen wie Waldsterben und Zero Waste, geprägt von dem Reaktorunglück in Tschernobyl und der Volkszählung 1984/1987. Hierzu sagt er, dass insbesondere in Bayern eine immer noch erhöhte Strahlenbelastung zum Beispiel in Wildschwein-Fleisch messbar ist.
Michael Müller hat nach dem Abitur eine Ausbildung als Gemüsegärtner gemacht, dann BWL studiert und ein paar Betriebe saniert. Bei der anschließenden Tätigkeit in Handelsketten, u. a. im Einkauf habe er erfahren wie man Lieferanten „quält“. Das Prozedere, wie ein Lebensmittel in den Markt kommt, kenne er sehr gut.
Michaels Spezialgebiet ist der Umwelt- und Naturschutz, insbesondere Streuobstwiesen. Bereiche wie Wasserstoff oder Solar sieht er als wichtig an, seien aber nicht sein Fachgebiet.
Michael Müller berichtet, den ehemaligen Bauernhof der Familie zu bewohnen. Von diesem konnte die Familie gut leben, auf 12 Hektar gab es 20 Schweine, 10 Kühe und 15 Hühner. Der Großvater sei, kurz bevor das anfing mit dem Bauernsterben, in Rente gegangen und habe den Bauernhof nicht weiter fortgeführt.
Michaels Onkel hatte einen für damalige Verhältnisse sehr großen Bauernhof, den er
sich aufgebaut hatte mit über 100 Hektar. Nach heutigen Maßstäben sei dieser auch zu klein. Das sei die Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft in dem Bereich, man müsse wachsen aber durch das Wachsen der Bauernhöfe leide die Biodiversität sehr stark.
Die großen Trecker und Maschinen mit Fahrzeugbreiten von 12 und mehr Metern erforderten einen Umbau der Landschaft. Damit konnte man nicht in eine Streuobstwiese reingehen, die zehn Meter oder weniger Abstand zwischen den Baumreihen hatte.
Michael Müller und seine Mitstreiter*innen bewirtschaften derzeit etwa 1500 Obstbäume auf verschiedenen Wiesen im Rheinisch-Bergischen Kreis und Umgebung (z.B. Köln-Flittard, Bechen-Herweg, auch größere in Bergisch Gladbach, etwa in Moitzfeld und in Bensberg am Krankenhaus).
Auf den Obstwiesen muss ganz viel gearbeitet werden. Ein Baum muss im jungen Zustand einmal im Jahr gepflegt werden, die ersten 15 Jahre muss er jedes Jahr geschnitten werden. Später dann, alle drei Jahre, im ganz hohen Alter alle fünf Jahre. Je älter der Obstbaum wird, umso biodiverser wird er.
Was ist nun die Bedeutung von Streuobstwiesen:
Biodiversität:
Streuobstwiesen wurden in früheren Zeiten vom Menschen angelegt. Dabei entstanden zufällig Lebensräume welche in unserer Landschaft die höchste Biodiversität haben, mit bis zu 3500 verschiedenen Lebewesen pro Fläche. Diese biodiversen Räume werden durch menschliches Eingreifen (Pflege, Ernte, Beweidung, zweimaliges Mähen) erhalten.
Klimaresilienz:
Alte Bäume (60 – 80Jahre) auf Streuobstwiesen sind widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels (z.B. 2 Grad Erwärmung), ähnlich wie naturbelassene Dauerwälder. Sie bilden ein Bollwerk gegen den Klimawandel.
Regionale Lebensmittelversorgung:
Streuobstwiesen ermöglichen eine klimafreundliche, regionale und saisonale Lebensmittelproduktion. Dies kann den Bedarf an Importen (z.B. Äpfel aus Neuseeland, Tomaten aus Spanien) reduzieren und fördert die Nutzung heimischer Produkte. Michael Müller kritisiert an dieser Stelle die Ausbeutung in der globalen Lebensmittelindustrie.
Kulturlandschaft und Handwerk:
Die Obstwiesen sindTeil des kulturellen Erbes und Brauchtums. Daher sind Streuobstwiesen auch alls immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Es sind die Eigenschaften Biodiversität, Brauchtum und handweliche Techniken, die das Kulturerbe ausmachen.
Welche Herausforderungen und Probleme gibt es rund um die Obstwiesen?
Industrialisierung der Landwirtschaft:
Wie bereits erwähnt, wurden in der Vergangenheit viele Streuobstwiesen großflächig „ausgeräumt“, um Platz für große Maschinen und landwirtschaftliche Monokulturen zu schaffen. Es gab sogar Prämien für die Beseitigung von Obstbäumen. Es dauert naturgemäß Jahrzehnte, um wieder Obstwiesen aufzubauen und bis die Biodversität wieder entstehen kann.
Fehlende Vertriebsstrukturen:
Noch mangelt es an Strukturen für die regionale Vermarktung von Tafelobst und verarbeiteten Produkten aus Streuobst. Derzeit werden 90 % der Äpfel zu Saft verarbeitet.
Finanzierung der Pflege:
Viele Streuobstwiesen wurden vor 25 bis 30 Jahren als Ausgleichsflächen für Bauvorhaben angelegt. Die Kommunen und Eigentümer weigern sich nach der Pflanzung sehr oft, die über einen Zeitraum von 30 Jahren gehende Pflege zu finanzieren. Die Durchführung der jährlichen Pflegemaßnahmen werden nicht, oder sehr selten kontrolliert. Das Land NRW zieht sich zudem aus der „Vertragslandwirtschaft“ als weitere Möglichkeit Streuobstwiesen zu finanzieren zurück, was die Situation verschärft. Michael Müller kritisiert, dass Gelder der Kommunen für teure Projekte ausgegeben werden, während der Naturschutz unterfinanziert ist.
Auswirkungen des Klimawandels auf die Obstwiesen:
Obwohl die alten Sorten klimaresilienter sind als das Obst im Supermarkt, leiden die Äpfel unter Hitzewellen, was zu Qualitäts-, Lagerfähigkeits- und Geschmackseinbußen führt. Die Bäume müssen gegossen werden da der Grundwasserspiegel sinkt. Dies war früher nicht notwendig. Zu beobachten ist auch ein zunehmender Schädlingsbefall (z.B.Gespinstmotte, Rindenbrand) und neue Krankheiten, die auch andere Fruchtsorten betreffen.
Michaels Müllers Aufruf und Botschaft:
Handeln statt Diskutieren:
Wichtig ist, ins Tun zu kommen und nicht zu resignieren. Aktuell werde noch zu viel diskutiert anstatt entschieden zu handeln.
Pflege und Ernte:
Bestehende alte Bäume pflegen, erhalten und die Früchte ernten. „Erhalten durch Aufessen.“ Gerade die alten Bäume sind ökologisch besonders wertvoll.
Umweltbildung:
Sensibilisierung und Aufklärung, insbesondere durch Umweltbildung (z.B. Apfelpressen mit Kitas und Schulen).
Sensibilisierung der Bevölkerung:
Menschen sollen wissen, woher ihre Äpfel kommen und die Bedeutung regionaler, saisonaler Produkte verstehen. Früchte sollten nicht weggeworfen, sondern zur Ernte und Verarbeitung zur Verfügung gestellt werde.
Michaels Müller Lieblingsapfelsorte ist der Berlepsch, da er, wie die meisten alten Apfelsorten eine geschmackliche Intensität besitzt, die hochgezüchteter Supermarktware fehlt.
Fazit:
Die Kernbotschaft ist, dass Streuobstwiesen ein vitales, vielfältiges und klimaresilientes Element unserer Landschaft sind, deren Erhalt und Nutzung entscheidend für eine nachhaltige Zukunft ist, wofür jedoch deutlich mehr Engagement und politische Unterstützung erforderlich sind.
Weitere Infos unter:
Hinweis: das Audio des Interviews wurde mittels KI transkribiert, zusammengefasst und redaktionell überarbeitet.

Rätselraten in Kürten
In den nächsten Monaten werden an verschiedenen Stellen in Kürten auf dem Boden Rätsel erscheinen. Was bedeuten diese?
Keine Sorge, es sind keine geheimen Botschaften, sondern die Umsetzung der Idee des zweiten Preisträgers unseres Wettbewerbs für ein sauberes Kürten, der den Müll im öffentlichen Raum ins Visier nimmt. Mittels Sprayschablonen werden Worträtsel auf den Boden gesprayt, diese sollen zum Nachdenken anregen, doch den nächsten Mülleimer und nicht die Straße für den eigenen Müll zu verwenden.

Am heutigen Samstag, den 25. Oktober startet die Aktion am Karlheinz-Stockhausen-Platz und am Dorfplatz in Biesfeld. Timo Lietz, der Urheber dieser Idee wird von uns geehrt und bekommt seinen Preis überreicht. Wir gratulieren!
So, das war es wieder einmal mit Klima-Nachrichten aus Kürten und der Welt.
Wir wünschen allen Leser*innen einen farbigen Herbst.
Wer bei uns mitmachen möchte, kann zum Kennen Lernen gerne zu unserem nächsten Plenum kommen.
Ort: Kürten Dürscheid, Kirchberg 3, Jugendheim der Pfarrgemeinde
Termin: 13. November, 19:30 Uhr
















































